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Corona-Impfung in unserer Facharztpraxis - Erläuterungen und Formulare

(17.07.21) Bestmöglicher Schutz gegen COVID-19 für die besonders Gefährdeten - ohne Impfung ist er nicht zu haben. Inzwischen konnten wir knapp 2000 Impfungen geben, und darauf sind wir als ganzes Team auch ein wenig stolz. Nachdem anfangs extrem genau auf Reihenfolge und Berechtigung geschaut werden musste, nachdem dann das große Medienwirrwarr um die Eignung des Impfstoffes Vaxzevria der Firma AstraZeneca uns zwang, Stunde um Stunde mit verängstigten Patienten und Angehörigen zu telefonieren, um das Impfen organisierbar zu machen, gibt es im Umfeld der Praxis inzwischen nahezu niemand impfwilligen Ungeimpften mehr. Das Impfen läuft ruhig und rasch und unsere Erfahrungen zu Reaktionen und Nebenwirkungen decken sich mit den Angaben in der wissenschaftlichen Fachliteratur.

Wer wurde zuerst geimpft?

Mit den strikten Priorisierungsvorgaben durch die Impfverordnung in Zeiten noch extrem knapper Impfstoffe ("erst die hochaltrigen und Gefährdetsten") hatten wir begonnen. Inzwischen (auch erledigt) waren wir aufgefordert, den Kreis der Berechtigten zu erweitern und Betroffene einzuschließen, deren Krebserkrankung weniger als 5 Jahre zurückliegt. Ebenfalls sind Patienten gemeint, die aufgrund vergleichbar schwerwiegender Gefährdungen geschützt werden müssen, auch wenn sie nicht an Erkrankungen leiden, die als bösartig gelten. Im weiteren Verlauf wurde uns erlaubt, Angehörige Schwerstkranker oder besonders Gefährdeter mit zu impfen. Wir erleben wie erwartet im Juli gegenüber April eine immer besser werdende Impfstoffversorgung. Das erlaubt, dass wir inzwischen Patienten nicht mehr abweisen müssen, die wir zu Beginn noch als "zu gesund" haben warten lassen. Vielmehr können wir inzwischen problemlos auch zur Immunisierung von Angehörigen beitragen, um unsere Patienten mit hoher Gefährdung indirekt zu schützen. Am 16.07.21 haben auch wir die Erfahrung machen müssen, auf zubereiteten Impfdosen sitzen zu bleiben - mit einer Gefühlsmischung aus Unglauben, Traurigkeit, Hilflosigkeit. Wir nehmen es als Zeichen, dass es faktisch keine Priorisierung mehr gibt.

"Ich hätte gern .. "  Womit impfen wir?

Damit auch das klar ist: Wir haben Regeln zu beachten, welche Impfstoffe wir an wen verimpfen. Der jeweilige Erkenntnisstand wechselt, aber bei uns haben Patienten im Grundsatz nicht die freie Wahl. Konkret betrifft das vor allem die Nutzung des Präparates Vaxzevria der Firma AstraZeneca, das für Menschen über 60J einen guten Impfschutz bietet, und das in der Erstimpfung nicht nach Wunsch durch einen mRNA-Impfstoff ersetzt wird. Es kann aber sein, dass so genannte "heterologe Impfungen" (= eine Dosis Vektorimpfstoff plus eine Dosis mRNA-Impfstoff) nicht nur für zufällig zuerst mit dem AstraZeneca erstgeimpfte unter 60 Jahre alte Impflinge sich als machbare und besonders wirksame Kombination erweisen. Unsere website hier hat nicht den Anspruch, jeden einzelnen Erkenntniswechsel mitzuschreiben. Unsere Patienten können aber sicher sein, dass wir uns immer im Rahmen von arzneirechtlicher Zulassung und Empfehlung der STIKO [ständige Impfkommission] verhalten. Wichtig: Wir sehen, dass die STIKO sehr sorgfältig Nutzen und Risiken abwägt. Das ist bei Meinungen aus dem politischen Raum nicht immer in gleicher Weise so.

Welche Erstimpfung für die über 60jährigen?

Wir erhalten derzeit für diese Altersgruppe den Impfstoffes der Firma Astra-Zeneca für die Erstimpfung. Es handelt sich dabei um einen so genannten Vektor-Impfstoff. Grundsätzlich gilt: wir impfen gemäß jeweils aktueller Richtlinien. Wir können nicht beeinflussen, welchen Impfstoff man uns für wen zur Verfügung stellt. Uns ist klar, dass die Berichterstattung über diesen Impfstoff verunsichern musste - gerade Menschen über 65, für die anfangs die Zulassung mangels Daten nicht erteilt worden war. Die Fakten sprechen inzwischen aber gerade für diese Gruppe eine deutliche Sprache, und wir sind froh, dass es endlich weitergeht. Jüngere benötigen nach aktualisiertem Erkenntnisstand andere Impfstoffe. Dabei geht es um die so genannten mRNA-Impfstoffe. Am bekanntesten ist der von der Firma Biontec mit dem Produktnamen Comirnaty. Wichtig: Die Patienten haben kein Wahlrecht. Wer über 60 ist, den Impfstoff der Firma AstraZeneca vertragen würde, aber sich in den Kopf gesetzt hat, Biontech zu wollen, konnte bislang bei uns keine Impfung erhalten. Übrigens reden wir hier auch über Fairness: Wer ohne Not Biontec wegnimmt, verhindert eine Impfung eines jüngeren Menschen, der nicht mit AstraZeneca geimpft werden sollte gemäß Empfehlungslage der ständigen Impfkommission (STIKO). Egoismus brächte auf diese Weise Anderen Nachteile.

Sicherheit? Auf die Altersgruppe kommt es an!

AstraZeneca-Impfstoff wenn Sie über 60 sind oder nicht? Wenn Wissenschaftler neue Erkenntnisse gewinnen, muss man  die Konsequenzen ziehen. So funktioniert Fortschritt. Im Moment gilt: In der Gruppe von Frauen unter 55 Jahren ist eine bestimmte Form von Blutgerinnselbildung unter Geimpften zwar immer noch selten, aber vergleichsweise so häufig gefunden worden, dass das Verhältnis von Nutzen der Impfung zum Risiko der durch die Impfung ausgelösten Erkrankung jetzt negativ beurteilt wird. Genau genommen scheint dies nicht für Männer zu gelten und nicht für Frauen über 55: die profitieren nach wie vor von der Impfung. Die Behörden haben daraufhin abends am 30.03.21 verfügt, für alle Deutschen unter 60 Jahren diesen Impfstoff grundsätzlich nicht mehr anzubieten. Damit sind nach wie vor die Deutschen Behörden vorsichtiger als viele andere Europäer: die EMA (European Medicines Agency) geht diese Einschränkung nicht mit. Dort wird u.a. berücksichtigt, dass auf der positiven Seite auch der Schutz vor "long COVID" gesehen werden muss, die Wahrscheinlichkeit, nicht mehr ansteckend zu sein, und die Verminderung des Risikos, dass sich Mutanten bilden. Daher darf nach Beratung und Aufklärung das Vaxzevria entsprechend seiner arzneirechtlichen Zulassung auch gegen die oben genannte Verfügung weiter an Menschen unter 60J verimpft werden - inzwischen mit einer "heterologen" Zweitimpfung, also mittels einer mRNA-Vakzine.

Und was ist mit anfänglicher Altersbeschränkung gegen die über 65 jährigen? Und mit Thrombosen? Wir sind nicht glücklich mit der nach unserer Meinung extrem ungeschickten Kommunikation vieler Beteiligter. Das lief in anderen Ländern Europas besser. Konkret: Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff "normale" Formen von Thrombosen begünstigt. Stattgehabte Thrombosen oder Einnahme von Blutverdünnern wegen Thrombose oder Embolie sind ausdrücklich kein Grund, andere Impfstoffe zu nehmen. Die aktuell erkannten Sicherheitsprobleme betreffen die allergrößte Zahl unserer Patienten nicht. Auch die COVID-19 Erkrankung selbst kann die in Rede stehenden so genannten (seltenen) Sinusvenenthrombosen machen, und auch nach Impfung mit dem mRNA-Impfstoff der Firmal  Biontec sind solche besonderen Thrombosen aufgetreten. Wir erwarten verlässlichere Statistiken dazu in näherer Zukunft. Was aber klar ist: Ab spätestens dem 60. Lebensjahr und bei Männern überwiegt der Schutz bei Weitem.

Und was ist mit Kindern und Jugendlichen? Das sollte zunächst einmal mit Kinderärzten besprochen werden. Hier nur soviel: Sehr junge Menschen, die ja durch eine Infektion fast nie krank werden (aber ansteckend!), dürfen nur nach sorgfältiger Abwägung den auch sehr geringen Risiken der Impfstoffe ausgesetzt werden. Ein Grund, sich doch dafür zu entscheiden, kann der Schutz verletzlicher Familienmitglieder sein.

zum Faktenblatt Vektorimpfstoff

Und wenn Sie jünger als 60 sind?

Man stellt uns inzwischen die für diese Patientengruppe zugelassenen mRNA-Impfstoffe Comirnaty der Firma Biontec und den Impfstoff der Firma Moderna zur Verfügung. Hier sind die Mengen, die wir erhalten, schwer kalkulierbar und bis Anfang Juli noch knapp. Das hat für uns über Wochen stark erschwert, alle jungen Patienten einzuladen, manchmal waren Hausärzte schneller.

Sicher versorgen können wir die Gruppe von Patienten, die unter 60 Jahre  alt sind und die bereits von uns eine Erstimpfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff erhalten haben und nach geänderter aktueller Empfehlungslage eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten sollen.

Und ist auch das sicher?

Die Firma BionTec hat sich einen guten Ruf erarbeitet. Ihr Impfstoff wurde in Deutschland entwickelt. Er wird hier hergestellt. Die Belieferung erfolgt zuverlässig. Die Zulassung ist ohne Altersbeschränkung für Erwachsene. Für Kinder fehlen ohnehin weltweit größere Studien - und es sind nicht unsere Patienten. (Was man sieht: Für gesunde Kinder ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis anders als für kranke Kinder oder Erwachsene oder gar kranke Erwachsene - und daher zögern die Behörden mit einer generellen Empfehlung). Schädliche Wirkungen sind insgesamt selten. Trotzdem kommt es nicht auf ihre absolute Zahl an, sondern auf den Vergleich: Eventuelle Schäden durch die Impfung müssen deutlich unwahrscheinlicher sein als dass der Impfling mit seinen Bedingungen (Alter, Geschlecht, Erkrankungen, Exposition) bedeutsame Schäden durch die Erkrankung erleidet.
Auch diese Impfstoffe machen Impfreaktionen (Fieber, Grippegefühl, Muskelschmerzen, Müdigkeit, Schwellung am Arm ...); es scheint so zu sein, dass sie sich genau andersherum verhalten, als bei den Vektor-Impfstoffen: Jüngere vertragen ihn besser. Auch hier gibt es eine lesenswerte Zusammenfassung. Sie gilt gleichermaßen für den Impfstoff der Firma Moderna, den wir ebenfalls verimpfen und als insgesamt gleichwertig mit Comirnaty von Biontech ansehen:

zum Faktenblatt mRNA-Impfstoff

Wie bekommen unsere Patienten ihre Termine bei uns?

Wir haben im April einige Tausend Datensätze unserer Patienten durchgearbeitet und in unserer elektronischen Patientenkartei die Patienten identifiziert, die wir zuerst impfen durften. Dann gab es und gibt noch stundenlanges Telefonieren. Fast alle haben wir längst eingeladen und erstgeimpft ... und inzwischen auch zweitgeimpft. Wenn Sie keinen Zweitimpfungstermin haben, fragen Sie gern von sich aus nach!

Wie Sie sich am besten zu Haus auf ihren Impftermin vorbereiten sollen

Damit wir in der Praxis einen geordneten Impfbetrieb mit allen erforderlichen Sicherheits- und auch Melde- und Dokumentationserfordernissen gewährleisten können, sollen Sie, wenn irgend möglich, vorher zu Haus die Papiere ausdrucken, lesen, weitestmöglich ausfüllen und mitbringen. Beachten Sie die Unterscheidung zwischen den Formularen für Vektorimpfstoff und denen für mRNA-Impfstoff. Was für Sie zutrifft, sollte vorher klar besprochen sein.

Das betrifft

  • Falls Sie keinen "gelben" Impfpass haben: Formular, auf dem wir die Impfung bescheinigen
    zur Impfbescheinigung

Was Sie mitbringen sollen zur ersten Impfung

Seien Sie bitte pünktlich. Bringen Sie für die Erstimpfung mit:

  • Aufklärungsbogen
  • Bogen für Krankengeschichte und Einwilligung
  • Formular, auf dem wir die Impfung bescheinigen - besser den internationalen (gelben) Impfpass. Es mag sein, dass er im internationalen Reisverkehr leichter anerkannt wird, als andere Bescheinigungen oder in Einrichtungen, die einen digitalen Impfausweis erstellen, lieber gesehen wird.
  • Kugelschreiber und ggf. Brille
  • Impfpass, wenn Sie einen besitzen (s.o.)
  • Versichertenkarte, wenn Sie gesetzlich versichert sind und im laufenden Quartal noch nicht bei uns waren (Stichtage 01. April 2021 bzw. 01. Juli 2021)

Was Sie mitbringen sollen zur zweiten Impfung

Seien Sie bitte pünktlich. Bringen Sie für die Zweitimpfung mit

  • Das Dokument, auf dem wir die Erstimpfung bescheinigt haben (Bescheinigung oder Impfausweis)
  • Versichertenkarte, wenn Sie gesetzlich versichert sind und im laufenden Quartal noch nicht bei uns waren

Wie läuft Ihr Impftermin bei uns ab?

Ersttermin:
Damit wir nicht in Bürokratie ersticken: Zu Haus die Papiere so weit wie möglich ausfüllen. Erster Check bei Ankunft ist dann auch, ob alles bearbeitet ist. Wenn nicht, geht es erstmal gar nicht weiter. Zweite Anlaufstelle: Empfangstresen der Praxis, Aufnahme der Personalien, Einlesen der Versicherteikarte. Dann: kurze, meist sehr kurze Wartephase, bis das nächste Impfzimmer frei wird. Die Impfteams (eine Ärztn / Arzt, eine medizinische Fachangestellte / Krankenpflegekraft) stehen dann für Fragen zur Verfügung, prüfen ein letztes Mal das Fehlen von Kontraindikationen, nehmen die Impfung vor, dokumentieren digital und im Impfpass, setzen das Ende der Wartezeit fest. Vorletzter Schritt: Einscannen der Papiere. Abwarten der Nachbeobachtungszeit (15 oder 30 min). Aushändigen der Papiere. Glückwunsch!

Zweittermin:
Zum Glück ist beim zweiten Termin weniger Bürokratie gefordert. Da können wir also etwas schneller sein. Was aber gleich bleibt: Einlesen der Chipkarte beim ersten Termin im Quartal, Dokumentation im Computer, Meldung an die Behörden durch uns, Stempel im Impfdokument, Abstand halten und Nachbeobachtungszeit.

Weitere Informationen zum Coronavirus - worauf es für unsere Patienten ankommt - finden Sie hier.

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