HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
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Vor Chemotherapie kontrollieren: Leukozyten ("Leukos")

Leukozyten, "Blutpolizei"- das sind die weißen Blutkörperchen. Neben großen Mengen roter Blutkörperchen und vielen Blutplättchen machen sie in kleiner Anzahl die zellulären Bestandteile des Blutes aus. Im Jargon wird abgekürzt und meist von "Leukos" geredet. Die Leukos erfüllen entscheidende Abwehrfunktionen. Wem sie fehlen, der kann gefährdet sein.

Schaut man genauer, merkt man rasch, dass dieser Begriff auch wieder nur eine Zusammenfassung darstellt: Es gibt eine ganze Reihe von Untergruppen weißer Blutkörperchen, die unterschiedliche Eigenschaften und Funktionen besitzen (Granulozyten, Monozyten, Lymphozyten). Die Granulozyten sind diejenigen Zellen, die als Bakterienbekämpfer am wichtigsten sind. Für praktische Zwecke kann man davon ausgehen, dass der prozentuale Anteil der Granulozyten (komplizierter zu messen) an der Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen (rasch zu messen) einigermaßen konstant ist und in etwa 50% beträgt. Daher ist der Rückschluss erlaubt von der Gesamtzahl der Leukozyten auf die Granulozyten, also auf diejenigen Zellen, auf welche es am meisten ankommt.

Was wir messen

Patienten, die Chemotherapie erhalten, müssen genug Granulozyten haben. Ihre Leukozytenzahl wird gemessen, indem das sogenannte kleine Blutbild bestimmt wird. Man schließt auf den Granulozytenanteil zurück, oder bestimmt in einer aufwändigeren Messung (teils "großes Blutbild", teils "Differentialblutbild" genannt) direkt ihre Menge.

Warum und wann wir messen

Die wichtigste Abwehrleistung gegen Bakterien wird durch Granulozyten gewährleistet. Besonders, wenn die Chemotherapie deren Zahl mindert, steigt die Gefährdung, eine bakterielle Infektion zu erleiden. Wenn man weiß, dass die Zeit mit niedrigen Zahlen weißer Blutkörperchen lange anhalten wird, ist die Gefahr logischer Weise größer, als wenn man erwarten darf, dass in ein paar Tagen die Abwehrleistung weitgehend normal sein wird. Bei vielen Chemotherapien besteht eine Phase mit verminderten Zahlen weißer Blutkörperchen etwa in der Mitte zwischen den Gaben der Chemotherapie (Zyklusmitte).

Wenn unmittelbar zu dem Zeitpunkt, an dem die Chemotherapie gegeben wird, die Zahl der Leukozyten in Ordnung ist (das bedeutet: sie darf nicht zu niedrig sein, ohne völlig normal hoch sein zu müssen), ist damit zu rechnen, dass die Therapie vertragen werden wird, ohne dass ein unzumutbar hohes Risiko einer Infektion wegen zu weit abgesenkter Leukozytenzahlen eintreten wird.

Die Therapie lässt sich also ausreichend sicher steuern, wenn man auf die Zahl der Leukos zu dem Zeitpunkt achtet, an dem die Therapie gegeben wird. Es kommt für die Entscheidung, ob eine Therapie laufen darf, nicht darauf an, genau wie niedrig die Zahl der weißen Blutkörperchen zwischen den Gaben wird. Wenn die Zeit mit niedrigen Leukozytenzahlen nicht zu lang ist, wird man keinerlei Rückschlüsse aus dem Tiefstwert ziehen.

Das setzt allerdings voraus, dass es ist keine hochriskante Therapie (wie bei manchen Leukämien) ist, und auch, dass es in vorangegangenen Zyklen nicht zu Komplikationen gekommen ist.

Leukozyten messen bei Fieber und bei "Ich fühl mich nicht"

Aber: Wenn es Ihnen zwischen den Therapien nicht gut geht, speziell, wenn Sie Fieber haben, müssen wir das hören und nötigenfalls sofort (auch nachts oder am Wochenende - dann vielleicht auch als Notfall im Krankenhaus!) die Zahl der Leukozyten bestimmen. Also brauchen wir uns meistens zwischen den Zyklen nicht zur Blutbildmessung zu treffen, solange es Ihnen gut geht.

Respekt haben wir vor einer typischen Situation, in der bei Chemotherapien (meist welchen, die im Abstand von drei Wochen gegeben werden und die ein Zelltief in der Mitte machen) es Patienten in der mittleren Woche nicht richtig gut, aber auch nicht wirklich superschlecht geht. Wo die Temperaturen leicht erhöht sind, echtes Fieber nicht hochkommt, und Symptome undeutlich bleiben. In Hamburg sagt man da manchmal "Ich fühl mich nicht". Auch dann möchten wir lieber einmal zu oft als zu spät die Blutwerte prüfen.

häufigere Blutbild-Messungen

Wenn es Hinweise dafür gibt, dass die Infektgefährdung überdurchschnittlich ist, manchmal auch, weil wir "auf Nummer sicher" gehen möchten, weichen wir davon ab. Wir kontrollieren dann zwischen den Chemotherapiegaben doch. Dieses Vorgehen ist übrigens auch in manchen Studien vorgegeben.

 

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