HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
Dres. Müller-Hagen | Bertram | Kollegen

Tumor, Krebs, Leukämie, Lymphom, Sarkom: Begriffsklärungen

Tumor, Krebs, Malignität, Raumforderung, Lymphom...  Was meint der Arzt damit? Eine spezialisierte Einrichtung wie unsere beschäftigt sich nahezu ausschließlich mit den Problemen, die sich hinter diesen Begriffen verbergen. Wenn Sie oder jemand Ihnen nahe Stehendes betroffen sein sollten, werden Sie früher oder später genauer wissen wollen, was es damit auf sich hat. Die folgenden Erläuterungen wollen keine Bücher ersetzen, aber vielleicht ermöglichen sie eine Orientierung. Es geht um:

  • Tumor
  • Raumforderung
  • Bösartiges Wachstum
  • Krebs
  • Leukämie
  • Lymphom
  • Hodgkin-Lymphom
  • Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)
  • Ursachen von Lymphomen
  • Leukämie und Lymphom
  • Sarkom
  • Krebs bei Kindern

Tumor

Streng genommen ist ein Tumor nichts anderes als eine Gewebsschwellung. Mit diesem Begriff ist noch nicht gesagt, dass es sich um ein bösartiges Leiden handelt. Eine Beule, die durch einen Bluterguss nach einer Bagatellverletzung entsteht, ist auch ein Tumor. Immer wieder ist es aber die Unterscheidung zwischen "gut" und "böse", um die sich unsere diagnostischen Überlegungen drehen. Tumor ist neutral und vermeidet, Stellung zu beziehen zu Ursache und Bedrohlichkeit.

Raumforderung

Noch so ein Slang. Eigentlich nicht viel anders als Tumor. Eine Raumforderung ist etwas, das im Körper ein Volumen (einen "Raum") einnimmt, ohne dass das so vorgesehen ist - daher "Forderung". Von Raumforderung wird in der Regel dann gesprochen, wenn dadurch einem Normalgewebe Platz weggenommen wird und insbesondere, wenn diese Verdrängung sich auf Funktionen auswirkt. Aber auch hier gilt: Der Begriff ist zunächst neutral. Damit man ihn richtig bewerten kann, muss er präzisiert werden, als benigne oder maligne Raumforderung: gutartig oder bösartig.

Bösartiges Wachstum

Damit wird das Phänomen bezeichnet, dass (aus meist nicht bekannten und auch nicht erkennbaren Gründen) Gewebszellen auf die normalerweise einprogrammierten Bremssignale nicht mehr reagieren und unkontrolliert wuchern.

Krebs ist eigentlich deswegen so gefährlich, weil die entstehenden Krebsknoten mit Blut oder Lymphflüssigkeit Tochtergeschwülste im Körper verteilen können. Es bilden sich weitere Knoten, die weitere Organe beeinträchtigen oder zerstören können. Das Gemeine an "Krebs" ist also, dass die unkontrollierten Wucherungen an fast beliebigen Stellen im Körper Funktionsstörungen und Schäden hervorrufen können. Meist gehen die Störungen gar nicht vom ursprünglichen Krebs am Ort seiner Entstehung aus, sondern es sind die Metastasen, die Absiedlungen (auch "Tochtergeschwülste" genannt), welche Organfunktionen verschlechtern oder Schmerzen verursachen.

In der Medizin wird ein bösartiges Leiden immer nach der feingeweblichen Typisierung bezeichnet und nach dem Entstehungsgewebe. Das gilt auch noch, wenn die Metastasen beschrieben werden. Tauchen also bei einer Frau Absiedlungen eines Brustkrebses in Knochen auf, so handelt es sich immer noch um Brustkrebs, nicht um "Knochenkrebs"

Krebs

Bösartiges Gewebe, das die Ärzte "Krebs" nennen (im Unterschied zu anderen Typen bösartiger Gewebe - siehe unten) entsteht immer in Organen, die eine entwicklungsgeschichtliche Nähe zu Drüsen haben. Beispiel: Drüsenzellen in den Bronchien entarten zu Lungenkrebs.

In Frühstadien kann Krebs nahezu immer durch operative Eingriffe so vollständig entfernt werden, dass man von Heilung sprechen kann. Häufig sind z. B. Dickdarmkrebs, Lungenkrebs, Brustdrüsenkrebs, Prostatakrebs.

Leukämie

Als Leukämie werden bösartige Erkrankungen, ausgehend von Blut bildenden Zellen, bezeichnet, die im gesamten Knochenmark zu finden sind und die zumeist auch im Blut nachgewiesen werden können. Es vermehren sich Zellen des Blut bildenden Systems unkontrolliert. Weil dadurch die reguläre Blutbildung zerstört werden kann, können diese Erkrankungen lebensbedrohlich werden. Weil sie von vornherein verteilt im Mark sämtlicher Knochen auftreten, sind Operationen unsinnig. Um zu einer sachgerechten Einschätzung der Bedrohlichkeit zu gelangen, muss im Einzelfall genau analysiert werden, um was für eine Art von Leukämie es sich handelt - heutzutage handelt es sich dabei um molekulare Diagnostik in Speziallaboren. Eine grobe Unterscheidung liefert aber immer schon die Bezeichnung als akute oder chronische Leukämie.

In der Regel sind die chronischen Leukämien weniger bedrohlich. Am klarsten trifft das für die Mehrzahl der von einer CLL Betroffenen zu. Bei dieser "chronischen lymphatischen Leukämie" braucht die Mehrzahl der Patienten jahrelang nicht oder manchmal auch nie im Leben behandelt zu werden.

Lymphom

Auch Lymphzellen können entarten - die Erkrankungen werden dann als "„Malignes Lymphom“" bezeichnet. Häufig sind sie auf die Lymphdrüsen beschränkt, manchmal beeinträchtigen sie die Blutbildung und haben eine enge Verwandtschaft zu Leukämien. Auch hier ist das Operieren meist ohne Nutzen, außer eventuell, um an die Diagnose zu gelangen. Viele Lymphome lassen sich aber deutlich erfolgreicher mit Medikamenten behandeln, als ähnlich ausgebreitete Krebserkrankungen.

Lymphome können sich außerordentlich unterschiedlich verhalten: Es gibt darunter Erkrankungen, die chronisch verlaufen, kaum spürbar und sehr wenig gefährlich sind - und am anderen Ende des Spektrums sehr aggressive und wenn unbehandelt rasch tödliche Formen. Das allgemein bekannteste Maligne Lymphom ist die sog. Hodgkin´sche Erkrankung, die übrigens in weit über 80% der Fälle durch moderne Chemotherapie geheilt wird. Häufiger sind jedoch andere Arten von Lymphomen, die - weil sie eben nicht "Hodgkin" sind - als sogenannte "Non-Hodgkin-Lymphome" (abgekürzt "NHL") zusammengefasst werden. Uns ist wichtig, dass, wenn Sie im Internet oder anderweitig Informationen suchen, sehr genau auf diese Unterscheidung achten.

Dazu ein paar Details:

Hodgkin-Lymphom

Das "Hodgkin-Lymphom" ist die seltenere Art von Lymphomen, die durch eine besondere Tumorzelle - die Sternberg-Reed-Riesenzelle - gekennzeichnet ist, die bei anderen Formen des Lymphoms nicht vorkommt. Bei mehr als 62.000 Menschen weltweit jedes Jahr - 38.000 (60%) Männer und 24.000 (40%) Frauen - wird ein Hodgkin-Lymphom diagnostiziert. Weltweit sterben jährlich etwa 25.000 Menschen an dieser Erkrankung. Sie ist in sehr hohem Maße heilbar, überwiegend durch Chemotherapie. Diese Chemotherapie kann fast immer ambulant gegeben werden.

Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)

Die Lymphome, die nicht als Hodgkin-Lymphome klassifiziert werden können, sind etwas anderes. Das dachten sich die Väter der Benennungen und prägten den Begriff "non-Hodgkin´s lymphoma". Kurz: NHL.

Ohne an dieser Stelle zu sehr in die Tiefe zu gehen: Es gibt eine Reihe von Überschneidungen dieser Erkrankungen zu den Leukämien (s.u.). Es gibt eine Vielzahl von Untertypen. Es gibt eine Vielzahl von "natürlichen Verläufen" - also: von typischen Zeitabläufen und Symptomen und Problemen, die erwartet werden dürfen, wenn man nicht behandelt. Es gibt eine Vielzahl von Prognosen. Darunter sind sehr ernste, aber auch gute. Es gibt Heilbarkeit und Nicht-Heilbarkeit. Wobei Nicht-Heilbarkeit trotzdem heißen kann, dass man mit der Erkrankung normal alt werden kann. Es gibt unterschiedlichste Behandlungsstrategien. Sie reichen von dringlicher hochintensiver Chemotherapie bis zum gaaanz ruhigen Abwarten („watch and wait“) ohne jede übereilte Aktivität. Von Tabletten über Spritze, Tropf, Bestrahlung, bis "„denk nicht zu viel drüber nach"“.

Es gibt also eigentlich nur einen Rat, der bei NHL immer gilt: Sprechen Sie mit einem Arzt darüber, der sich mit NHLs auskennt [Diese Spezialisten sind "Hämatologen und Onkologen"]. Glauben Sie bitte nicht, dass das, was Sie über das eine NHL gehört haben, auch gleich für das andere gilt. Falls Sie erkrankt sind: Es kann durchaus sein, dass für Sie ein ganz anderer Weg der richtige ist, als für jemand anderen, von dessen NHL-Erkrankung Sie oder ihr Bekanntenkreis gehört haben!

Ursachen von Lymphomen

Es gibt nicht die eine genaue Ursache des Lymphoms – jedenfalls ist sie nicht bekannt. Einige Formen von Lymphomen entwickeln sich jedoch vorzugsweise bei Menschen, die zur Verhütung einer Transplantatabstoßung Medikamente einnehmen mussten oder die ein geschwächtes Immunsystem haben, wie beispielsweise Menschen mit HIV oder AIDS. Außerdem nimmt man an, dass bestimmte Chemikalien in Insektiziden und Holzkonservierungsmitteln Lymphome verursachen können. In den USA wurden Haarfärbemittel als riskant identifiziert, die aber inzwischen vom Markt sind. Auch gibt es Hinweise dafür, dass ein Übermaß an Hygiene in der Kindheit vielleicht das Immunsystem weniger auf Zack bringt, so dass es später weniger sicher in der Lage ist, Lymphome zu verhindern. Vielleicht sind Menschen, die mit vielen Erregern umgehen mussten, fitter, sich bildende Lymphomzellen zu erkennen und zu eliminieren, bevor die Erkrankung Fuß fasst. Vielleicht. Man weiß jedoch sicher, dass Lymphome nicht ansteckend sind und nicht über die Familie weitervererbt werden können. Und dass, wer ein Lymphom bekommt, nicht hadern sollte: man hat nichts falsch gemacht. Es ist Schicksal.

Leukämie und Lymphom

Zellen des Lymphsystems, die meist in Lymphknoten oder im Knochenmark zu finden sind, können sich krankhaft in Lymphknoten ansammeln und vermehren. Dann wird vom Lymphom geredet, wie oben beschrieben. Kompliziert wird die Sache dadurch, dass bei manchen Erscheinungsformen von Lymphomen diese Zellen auch im Venenblut erscheinen und dort im sogenannten "Blutbild" gemessen werden können. Dadurch kann es sein, dass bei einer Lymphomerkrankung der Hämatologe plötzlich von "Leukämie" spricht, von einer krankhaften Erhöhung der Zahl von Leukozyten, von weißen Blutkörperchen. Zu diesen werden die Lymphomzellen nämlich auch gerechnet. Auch hier gilt hinsichtlich der Gefährlichkeit, dass Leukämie nicht gleich Leukämie ist. Hochgefährlich sind die als "akut" bezeichneten Leukämien. Die mit Lymphomen in Zusammenhang stehenden Leukämien sind in aller Regel chronisch und weitaus weniger bedrohlich. Gerade hier wird häufig nur beobachtet.

Sarkom

Nicht von Drüsen, nicht von Lymphzellen, nicht von Blutzellen, sondern von Muskel- oder Bindegewebszellen oder vergleichbaren Geweben ausgehend, können sich seltene bösartige Erkrankungen bilden, die sich wieder ein wenig anders verhalten und auch etwas anders behandelt werden müssen als Leukämien oder Lymphome - eher wie Krebs: operative Maßnahmen haben eine besondere Wichtigkeit. Diese Gruppe wird als Sarkom bezeichnet. Sie werden anders operiert und reagieren im Allgemeinen (bei Erwachsenen) nicht sehr gut auf Chemotherapien.

Krebs bei Kindern

Krebs bei Kindern ist etwas Besonderes. Nicht nur, weil er zum Glück selten ist, sondern auch, weil die Behandlung von Menschen, die teils noch gar nicht verstehen können, was da geschieht, eine ganz eigene Herangehensweise fordert. Weil viel mehr als bei Erwachsenen im höheren Lebensalter die Familie als System in die Therapie einbezogen werden muss - und betroffen ist. Weil die Heilungsraten höher, aber auch die Therapien intensiver sind. Weil die Ärzte, konfrontiert mit einer kleineren Zahl von Krebssorten, sich intensiver spezialisieren können.

Weltweit hat sich eine Arbeitsteilung zwischen maximal spezialisierten Kinderärzten ("pädiatrische Onkologie") einerseits und Onkologen andererseits entwickelt: Die im Kindesalter typischen bösartigen Erkrankungen werden anders behandelt als Krebs im Erwachsenenalter. Häufig sind die intensiven Therapien an Kliniken gebunden. In der Regel verweisen wir daher auf Kinderkliniken, wenn es um Krebs bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden geht. Wir scheuen uns nicht, zuzugeben, dass wir das nicht auch noch können.