HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
Dres. Müller-Hagen | Graefe | Winterberg | Kollegen

Krebstherapie und Coronavirus (COVID-19) - Zugangsbeschränkungen zur Praxis

(21.10.2020) Die Corona-Krise hat erhebliche Auswirkungen darauf, wie wir unsere Patienten versorgen. Die meisten Krebstherapien waren und bleiben Notfälle oder sind zumindest einigermaßen dringlich - Krebs fragt nicht nach Corona. Dementsprechend hatten wir natürlich auch im Lockdown nie die Praxis zu. Und auch jetzt in Zeiten wieder ansteigender Infektionszahlen muss die Versorgung funktionieren. Dafür stehen wir bereit, trotz der Einschränkungen, die weiterhin den Alltag kompliziert machen. Im Grundsatz brauchen wir den persönlichen Kontakt zu unseren Patienten. Wir haben nicht das Ziel, die Sprechstunden maximal zu digitalisieren. Wir arbeiten intensiv daran, dass uns die Behörden nicht als ganze Praxis stilllegen können, falls Kontakte mit Infizierten entstünden. Unsere wichtigsten Prinzipien leiten sich daraus ab, dass der entscheidende Übertragungsweg das Aerosol ist:

  • Möglichst wenig Kontakt = unnötige Termine vermeiden,
  • möglichst wenig Menschen auf einem Haufen,
  • = Begleitpersonen nur in Ausnahmefällen
  • möglichst viel Abstand,
  • stehende Luft vermeiden - lüften so oft wie möglich,
  • Aufenthaltsdauer nicht länger als nötig
  • und konsequentes Tragen eines guten Mund-Nasen-Schutzes.

Patienten, die bisher gewohnt sind, eine bestimmte und immer dieselbe Ansprechperson zu haben, müssen gelegentlich mit wechselnden Behandlern rechnen. Nur noch selten arbeiten die Ärzte im "home office", aber wir haben gelernt, dass für einfache Absprachen oder rasch zu beantwortende Fragen der  telefonische Kontakt ausreichen kann und manchmal auch muss. Es hat sich leider gezeigt, dass unsere telefonische Erreichbarkeit noch stärker gefordert ist, als ohnehin. Wir tun unser Möglichstes, aber wir sind auf Ihr Verständnis angewiesen, falls es "ruckelt". Bitte lassen Sie uns wissen, wie zufrieden Sie mit unserer neuen Telefonanlage sind!

Wichtig: Unsere Patienten sollen möglichst ohne Begleitpersonen kommen. Jeder vermeidbare Kontakt zwischen Menschen in den Praxisräumen soll vermieden werden. Andererseits gibt es immer wieder diese Situationen, in denen "vier Ohren mehr als zwei hören" - wenn es beispielsweise um schlechte Nachrichten, Umgang mit Nebenwirkungen, schwierige Entscheidungen geht. Da bleibt richtig und nötig, Vertrauenspersonen dabei zu haben, wenn unsere Patienten das wünschen.

Das muss vorher verabredet werden.

Wir sind definitiv keine Einrichtung, die sich mit allgemeiner Corona-Diagnostik beschäftigen kann. Wir sind nicht dafür da, Corona-Abstriche zu machen. Wir sind auch nicht dafür da, Antikörpertests auf Immunität oder durchgemachte Erkrankung zu veranlassen. Wer einen Termin hat und Fieber hat oder andere Symptome, die verdächtig sind (trockener Husten, Geschmacksstörungen, Kopfschmerzen, ...), muss vorher anrufen und damit rechnen, abgewiesen zu werden. Wir tragen Verantwortung, aber unsere Patientinnen und Patienten auch: Iimmungeschwächte Mitpatienten sollen nicht infiziert werden und die Praxis darf nicht als Ganzes geschlossen werden.

(21.10.20) Details zur Zugangsregelung

Das Krankenhaus kontrolliert weiterhin den Zugang ins Gebäude und damit auch den in unsere Praxis. Es gestattet den Eintritt nur noch Menschen, die offiziellen Mund-Nase-Schutz tragen. Wenn Sie irgend können, kommen Sie mit einem höherwertigen Schutz. FFP2 ist nicht gefordert, aber improvisierte oder verschmutzte Maskierungen werden nicht akzeptiert. Inzwischen sind professionelle einfache "chirurgische" Mund-Nase-Bedeckungen im Handel erhältlich und Sie sollten sich damit ausstatten.

  • Wir haben miteinander geplant, dass Sie kommen. Sie werden über den Haupteingang des Krankenhauses in die große Halle über den Verbindungsgang ins Gebäude F eingelassen.
  • Patienten mit Gehbehinderung, die besser über den (unteren) offiziellen Praxiseingang vom Hof per Fahrstuhl zu uns gelangen können, haben die Möglichkeit, in der Praxis anzurufen und sich abholen zu lassen. Grundsätzlich hält das Krankenhaus diesen Eingang geschlossen.
  • Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz oder Gesichtsvisier ist bei Eintritt in das Krankenhaus und die Praxis unbedingt erforderlich, um andere Patienten und die Mitarbeiter zu schützen (Anmerkung: es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Visiere gegen Aerosole weniger wirksam sind als Mundnasenschutzmasken).
  • Die Praxiseingangstür zum Krankenhausflur hin ist wieder geöffnet, die Empfänge können wieder von Ihnen selbst aufgesucht werden
  • Therapiepatienten können gleich zum Therapieempfang durchgehen
  • Unverändert möchten wir jedesmal Ihre Bestätigung hören, dass Sie ohne Coronavirus-Symptome und ohne kürzlichen Kontakt zu Erkrankten sind.
  • Angehörige können leider weiterhin nur in Ausnahmefällen mit in die Praxis. Wir bitten sie außerhalb des Krankenhauses zu warten.
  • Bitte folgen Sie den Anweisungen des Praxispersonals und vermeiden Sie unnötigen Kontakt zu den Empfängen. 
  • Es werden nicht immer alle Ärzte in der Praxis sein. Das heißt, viele Gespräche werden telefonisch durchgeführt werden. Natürlich werden wir in Notfällen immer die Möglichkeit haben, Sie einer Ärztin / einem Arzt vorstellen zu können, aber es wird nicht immer Ihr Hauptbehandler sein können.
  • Bitte halten Sie unbedingt die bekannten Kontaktregeln ein. Die MFAs im Labor und die Pflegenden sind dem Risiko zu erkranken maximal ausgesetzt, weil der Mindestabstand natürlich nicht zu gewährleisten sein kann. Folgen Sie deshalb unbedingt den Anweisungen der Mitarbeiter!

Die App

Wir möchten alle Patienten und vor allem ihre Angehörigen ermutigen, sich die offizielle "Corona Warn-App" herunterzuladen und zu nutzen. Ihre datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit erscheint ausreichend geprüft. Sie wird auch von kritischen Datenschützern empfohlen. Sie kann helfen, Corona-Ausbrüche rasch zu erkennen und einzugrenzen. So dient sie dem Schutz aller und ist einer der Bausteine, mit denen wir Risiken mindern. Das ist kein Selbstzweck. Je besser solche Maßnahmen funktionieren, desto normaler kann unser Miteinander wieder sein.

Weitere Informationen

Unserer wissenschaftlichen Fachgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, verdanken wir die hier kopierte und leicht ergänzte Informationssammlung. Aktuellere Sachstände erhalten Sie über die unten genannten Internetadressen.

Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19)

Viele Krebspatienten sind beunruhigt. Deshalb geben die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) und die Arbeitsgemeinschaft Infektionen in der Hämatologie und Onkologie (AGIHO) der DGHO Empfehlungen, basierend auf dem derzeitigen Stand des medizinischen Wissens. Wir mahnen Krebspatienten zur besonderen Achtsamkeit und zur Beachtung der Empfehlungen der Gesundheitsbehörden. Wir weisen aber auch daraufhin, dass die Angst vor einer Gefahr (wie einer Infektion mit dem Coronavirus) nicht die Bekämpfung einer existierenden Erkrankung (wie Krebs) beeinträchtigen darf.

Was ist COVID-19?

COVID-19 ist der Name der durch das Virus namens SARS-CoV-2 ausgelösten Infektionskrankheit. Er steht für Coronavirus Disease 2019. SARS-CoV-2, das strukturell mit dem Erreger von SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) verwandt ist, wurde Ende 2019 in China entdeckt. Das Krankheitsbild ähnelt dem einer Virusgrippe. Häufigste Krankheitszeichen betreffen die Atemwege: Husten, Fieber, Auswurf. Dazu kommt ein allgemeines Krankheitsgefühl - Kopfschmerzen sind nicht selten, und es hat sich herausgestellt, dass zu Beginn der Infektion flüchtige Hauterscheinungen auftreten ("Punkte", aber auch Rötungen an Händen, Füßen, Armen oder Beinen). Als charakteristisch gilt der Verlust von Geruchs- und Geschmacksempfinden, meist vorübergehend, gelegentlich lange anhaltend. Aber auch Magen-Darm-Symptome wurden beobachtet. Inzwischen hat man verstanden, dass SARS-CoV-2 zu Gefäßentzündungen in vielen Organen führen kann  - entsprechend vielfältig könnten im Einzelfall die Schäden sein, falls sie überhaupt eintreten: Bei vielen Infizierten verläuft die Infektion nämlich mit wenigen oder ohne Krankheitszeichen. Ob man schwerkrank wird und ein hohes Risiko hat zu sterben, hängt ganz besonders vom Lebensalter ab.

Zur Sicherung von COVID-19 ist der Virusnachweis aus einem Abstrich [Nase, Rachen] oder [weniger empfindlich] aus Sputum [Speichel] erforderlich. Anmerkung: Wenn diese Tests richtig gemacht werden, muss es in den Tiefen der Nase richtig wehtun und im Rachen fast ein Würgen ausgelöst werden; wir konnten im Fernsehen leider oft genug Materialgewinnung ohne Mut beobachten, wo einen ein negatives Testergebnis nicht wundern würde ... Es gibt eine kurze Phase intensiver Virusausscheidung, während derer sich kein Infizierter krank fühlt. - Nachdem in den ersten Monaten so genannte PCR-Tests Virusgenom nachgewiesen haben, werden inzwischen die Test-Technologie und damit unmittelbar zusammenhängend die Teststrategie vielfältiger. Wir sehen so genannten Antigentests entgegen, die nicht ein bis vier Tage brauchen, sondern wie die Schwangerschaftstests als "Soforttests" funktionieren sollen - vielleicht ungenauer, aber geeigneter, um Sofortentscheidungen in der Seuchenbekämpfung treffen zu können.

Die Sterblichkeit lag bei den zuerst beschriebenen Patienten in Wuhan (China) bei 2%, insgesamt wird sie derzeit weltweit auf <1% geschätzt. Damit ähnelt COVID-19 einer besonders schweren Influenza-Grippe. Sie werden vermutlich in der nächsten Zeit weiter mit sehr unterschiedlichen und teils weit bedrohlicheren Zahlen konfrontiert werden. Hierin zeigt sich vor allem, dass den Wissenschaftlern noch eine Menge verlässlicher Daten fehlen. Das liegt insbesondere daran, dass in einigen Teilen der Welt sehr wenig getestet wird. Daher bestehen noch erhebliche Unsicherheiten, wie viele Menschen die Infektion mit SARS-CoV-2 (dem Virus) durchmachen, ohne an COVID-19 (der Atemwegserkrankung) zu leiden. So ist die Dunkelziffer auch nach  einem guten halben Jahr Krise noch immer schwer abzuschätzen.

Wer ist besonders gefährdet?

Es gibt bisher weltweit keine Berichte über eine erhöhte Erkrankungsrate bei Krebspatienten - die Frage ist also nicht, ob man eher angesteckt wird, sondern, ob man im Falle einer Ansteckung schwerer erkrankt - bis hin zur Frage, ob im Falle einer Ansteckung Krebspatienten mit höherer Wahrscheinlichkeit an COVID-19 sterben. Besondere Risikogruppen sind Patienten mit einem geschwächten Immunsystem.

Eine Schwächung ihres Immunsystems haben vor allem Patienten mit:

  • bösartigen Erkrankungen des Blutes und Knochenmarks und der Lymphknoten (Leukämie, Lymphom), Leukozytopenie (niedrige Zahl weißer Blutkörperchen)
  • niedrigen Immunglobulinwerten
  • langdauernder Immunsuppression (Steroide [Prednison, Prednisolon, Dexamethason über längere Zeiträume], Antikörper [z. B. Rituximab, Obinutuzumab, ..])
  • allogener Stammzelltransplantation und anderen zellulären Therapien

Ein besonderes Risiko bei Virusinfektionen der oberen Luftwege sind Ko-Infektionen, also das zeitgleiche Auftreten mit Infektionen durch ganz andere Erreger. Vor allem Ko-Infektionen durch Bakterien und Pilze haben entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Patienten sollen mit ihren behandelnden Ärzten über das individuelle Risiko sprechen. Hierzu gehört ebenfalls der Gedanke, sich durch konsequente Impfungen vor Ko-Infektionen zu schützen. Leider sind viele Impfstoffe derzeit nicht erhältlich, aber dennoch sollte man auf folgende Impfungen grundsätzlich achten: Pneumokokken, Influenza, Zoster.

Sollen Krebstherapien verschoben werden?

Meist nicht. Bei jeder Krebstherapie muss schon seit je her der Nutzen der Behandlung gegen den möglichen Schaden, d.h. Nebenwirkungen, abgewogen werden. Das individuelle Risiko ist unterschiedlich, abhängig von den Lebensumständen und den persönlichen Kontakten. Bei den meisten akut an Krebs erkrankten Patienten steht der Nutzen einer sinnvollen und geplanten Krebstherapie DEUTLICH über dem Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus. Bei Patienten mit chronischer und gut beherrschter Krebskrankheit kann individuell über eine Therapieverschiebung entschieden werden. Kommentar: Es kann sein, dass wir bei adjuvanten (vorbeugenden) Chemotherapien unter Bedingungen der Krise im Gespräch feststellen, dass die Risiken derart wachsen, dass der Nutzen im Vergleich dazu nicht mehr hoch genug ist - auch wenn uns dazu wirklich verlässliche Fakten / harte Zahlen fehlen. (September 2020) In den letzten Monaten wachsen die Informationen, die darauf hindeuten, dass unter Bedingungen der in Deutschland allgemein niedrigen Ansteckungswahrscheinlichkeiten bei der Mehrzahl der Krebstherapien das Verhältnis zwischen Risiko und Nutzen NICHT grundsätzlcih verschlechtert wird.

Sind Blutübertragungen gefährlich?

Nein. Nach wie vor liegen keine Berichte über die Übertragung von COVID-19 durch Blutübertragungen vor. Personen mit Infektionen und Personen, die in den letzten 4 Wochen Kontakt zu jemandem mit einer ansteckenden Krankheit hatten, werden in Deutschland nicht zur Blutspende zugelassen. Der Arbeitskreis Blut des Robert- Koch-Institut sieht kein Risiko einer COVID-19-Infektikon durch Blutspenden. - Kommentar: Der Bedarf an Blutprodukten für unsere Patienten sinkt nicht und wir fordern Gesunde dazu auf, weiter oder jetzt erst recht zum Spenden zu gehen.

Weitere Informationen / verlässliche Internetseiten

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