HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
Dres. Müller-Hagen | Graefe | Winterberg | Kollegen

Krebstherapie und Coronavirus (COVID-19) - Zugangsregeln zur Praxis

(18.06.2020) Die "Corona-Krise" hat nach wie vor Auswirkungen darauf, wie wir unsere Patienten versorgen. Das gilt auch in der Phase zunmehmender Lockerungen von Kontaktverboten in der Öffentlichkeit. Die meisten Krebstherapien waren und bleiben Notfälle oder sind zumindest einigermaßen dringlich - Krebs fragt nicht nach Corona. Dementsprechend hatten wir natürlich auch im Lockdown nie die Praxis zu. Und auch jetzt muss die Versorgung funktionieren. Dafür stehen wir bereit, trotz der damit immer noch den Alltag komplizierter machenden Einschränkungen. Im Grundsatz brauchen wir den persönlichen Kontakt zu unseren Patienten. Wir haben nicht das Ziel, die Sprechstunden maximal zu digitalisieren. Wir arbeiten intensiv daran, dass uns die Behörden nicht als ganze Praxis stilllegen können, falls Kontakte mit Infizierten entstünden. Unsere wichtigsten Prinzipien:

  • Möglichst wenig Kontakt,
  • möglichst wenig Menschen auf dem Haufen,
  • möglichst viel Abstand,
  • stehende Luft vermeiden wo möglich,
  • und Mund-Nasen-Schutz.

Teile des Teams werden im Hintergrund gehalten. Patienten, die bisher gewohnt sind, eine bestimmte und immer dieselbe Ansprechperson zu haben, müssen gelegentlich mit wechselnden Behandlern rechnen. Wir haben dem Ärzteteam noch immer an einigen Tagen "home office" verordnet. Einige Patienten werden daher bevorzugt telefonisch kontaktiert, und nach wie vor prüfen wir im Einzelfall, ob weniger dringliche Termine verschoben werden sollen - und wir sind uns einig, dass es die gibt. Andererseits müssen wir langsam beginnen, uns um die "Bugwelle" der Verschiebungen zu kümmern. Darauf reagieren wir: Seit Ende Mai / Anfang Juni beginnen wir damit, aufgeschobene Termine nachzuholen. Wir haben dafür unsere Arbeitszeiten angepasst.

Die Situation entwickelt sich dynamisch und wir handeln entsprechend. Es hat sich leider gezeigt, dass unsere telefonische Erreichbarkeit noch stärker gefordert ist, als ohnehin. Wir tun unser Möglichstes, aber wir sind auf Ihr Verständnis angewiesen, falls es "ruckelt".

Wichtig: Unsere Patienten sollen möglichst ohne Begleitpersonen kommen. Jeder vermeidbare Kontakt zwischen Menschen muss vermieden werden. Wir sind definitiv keine Einrichtung, die sich mit allgemeiner Corona-Diagnostik beschäftigen kann. Wir sind nicht dafür da, Tests zu machen. Wir sind auch nicht dafür da, die in den letzten Tagen propagierten Antikörpertests zu veranlassen. Wer einen Termin hat und Fieber hat oder andere Symptome, die verdächtig sind (trockener Husten, Geschmacksstörungen, Kopfschmerzen, ...), muss vorher anrufen und damit rechnen, abgewiesen zu werden. Wir tragen Verantwortung, aber unsere Patientinnen und Patienten auch: Iimmungeschwächte Mitpatienten sollen nicht infiziert werden und die Praxis darf nicht als Ganzes geschlossen werden.

Das Albertinen-Krankenhaus hat eine massive Einschränkung seiner Zugänge verfügt. In die Praxis geht es nur noch über den bewachten Haupteingang. Das ist in Ordnung. Es führt aber dazu, dass unsere Patienten von uns am Einlass angemeldet werden und dass ihre Besuchsberechtigung einzeln geprüft wird. Angehörige dürfen nur in absoluten Ausnahmefällen noch mit.

(18.06.20) Details zur Zugangsregelung ab 22.06.2020

Das Krankenhaus kontrolliert weiterhin den Zugang ins Gebäude und damit auch den in unsere Praxis. Es gestattet den Eintritt nur noch Menschen, die offiziellen Mund-Nase-Schutz tragen. Wenn Sie irgend können, kommen Sie mit einem höherwertigen Schutz. FFP2 ist nicht gefordert, aber improvisierte oder verschmutzte Maskierungen werden nicht akzeptiert. Inzwischen sind professionelle einfache "chirurgische" Mund-Nase-Bedeckungen im Handel erhältlich und Sie sollten sich damit ausstatten.

  • Wir haben miteinander geplant, dass Sie kommen. Wir melden das dem Albertinen-Krankenhaus, damit Sie dort durch den Eingang eingelassen werden.
  • Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz oder Gesichtsvisier ist bei Eintritt in das Krankenhaus und die Praxis unbedingt erforderlich um andere Patienten und die Mitarbeiter zu schützen
  • Die Praxistüre ist wieder geöffnet, die Empfänge können wieder von Ihnen selbst aufgesucht werden
  • Therapiepatienten können gleich zum Therapieempfang durchgehen
  • Unverändert möchten wir, dass Sie unseren Fragebogens zur Abfrage eines Infektionsrisikos ausfüllen
  • Angehörige können leider weiterhin nur in Ausnahmefällen mit in die Praxis. Wir bitten Sie außerhalb des Krankenhauses zu warten.
  • Bitte folgen Sie den Anweisungen des Praxispersonals und vermeiden Sie unnötigen Kontakt zu den Empfängen. 
  • Es werden nicht immer alle Ärzte in der Praxis sein. Das heißt, viele Gespräche werden telefonisch durchgeführt werden. Natürlich werden wir in Notfällen immer die Möglichkeit haben, Sie einer Ärztin / einem Arzt vorstellen zu können, aber es wird nicht immer Ihr Hauptbehandler sein können.
  • Bitte halten Sie unbedingt die bekannten Kontaktregeln ein. Die MFAs im Labor und die Pflegenden sind dem Risiko zu erkranken maximal ausgesetzt, weil der Mindestabstand natürlich nicht zu gewährleisten sein kann. Folgen Sie deshalb unbedingt den Anweisungen der Mitarbeiter!

Die App

Wir möchten alle Patienten und vor allem ihre Angehörigen ermutigen, sich die offizielle "Corona Warn-App" herunterzuladen und zu nutzen. Ihre datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit erscheint ausreichend geprüft. Sie wird auch von kritischen Datenschützern empfohlen. Sie kann helfen, Corona-Ausbrüche rasch zu erkennen und einzugrenzen. So dient sie dem Schutz aller und ist einer der Bausteine, mit denen wir Risiken mindern und ein möglichst normales Miteinander ermöglichen.

Weitere Informationen

Unserer wissenschaftlichen Fachgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, verdanken wir die hier kopierte und leicht ergänzte Informationssammlung. Aktuellere Sachstände erhalten Sie über die unten genannten Internetadressen.

Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19)

Viele Krebspatienten sind beunruhigt. Deshalb geben die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) und die Arbeitsgemeinschaft Infektionen in der Hämatologie und Onkologie (AGIHO) der DGHO Empfehlungen, basierend auf dem derzeitigen Stand des medizinischen Wissens. Wir mahnen Krebspatienten zur besonderen Achtsamkeit und zur Beachtung der Empfehlungen der Gesundheitsbehörden. Wir weisen aber auch daraufhin, dass die Angst vor einer Gefahr (wie einer Infektion mit dem Coronavirus) nicht die Bekämpfung einer existierenden Erkrankung (wie Krebs) beeinträchtigen darf.

Was ist COVID-19?

COVID-19 ist der Name einer neuen Infektionskrankheit. Er steht für Coronavirus Disease 2019. COVID-19 wurde im Dezember 2019 erstmals in China entdeckt. Der Erreger ist ein neues Coronavirus SARS-CoV-2, das strukturell mit dem Erreger von SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) verwandt ist. Das Krankheitsbild entspricht dem einer Virusgrippe. Häufigste Krankheitszeichen sind Husten, Fieber, Auswurf und allgemeines Krankheitsgefühl. Bei vielen Infizierten verläuft die Infektion mit wenigen oder ohne Krankheitszeichen, sie kann aber auch zu einer Lungenentzündung führen. Zur Sicherung von COVID-19 ist der Virusnachweis aus einem Abstrich [Nase, Rachen] oder [weniger empfindlich] aus Sputum [Speichel] erforderlich. Der Krankheitsverlauf ist schwerwiegender bei älteren Patienten und bei Patienten mit vorbestehenden Krankheiten. Die Sterblichkeit lag bei den zuerst beschriebenen Patienten in Wuhan (China) bei 2%, insgesamt wird sie derzeit weltweit auf <1% geschätzt. Damit ähnelt COVID-19 einer besonders schweren Influenza-Grippe. - Kommentar: Sie werden vermutlich in der nächsten Zeit intensiv mit sehr unterschiedlichen und teils weit bedrohlicheren Zahlen konfrontiert werden. Hierin zeigt sich vor allem, dass den Wissenschaftlern noch eine Menge verlässlicher Daten fehlen. Das liegt insbesondere daran, dass in einigen Teilen der Welt sehr wenig getestet wird. Daher bestehen noch erhebliche Unsicherheiten, wie viele Menschen die Infektion mit SARS-CoV-2 (dem Virus) durchmachen, ohne an COVID-19 (der Atemwegserkrankung) zu leiden. So ist die Dunkelziffer schwer abzuschätzen.

Wer ist besonders gefährdet?

Es gibt bisher keine Berichte über eine erhöhte Erkrankungsrate bei Krebspatienten. Wir orientieren uns daher an den Erfahrungen mit anderen Virus-Infektionen der oberen Luftwege [3]. Besondere Risikogruppen sind Patienten mit einem geschwächten Immunsystem.

Eine Schwächung ihres Immunsystems haben vor allem Patienten mit:

  • bösartigen Erkrankungen des Blutes und Knochenmarks und der Lymphknoten (Leukämie, Lymphom), Leukozytopenie (niedrige Zahl weißer Blutkörperchen)
  • niedrigen Immunglobulinwerten
  • langdauernder Immunsuppression (Steroide [Prednison, Prednisolon, Dexamethason über längere Zeiträume], Antikörper [z. B. Rituximab, Obinutuzumab, ..])
  • allogener Stammzelltransplantation und anderen zellulären Therapien

Ein besonderes Risiko bei Virusinfektionen der oberen Luftwege sind Ko-Infektionen, also das zeitgleiche Auftreten mit Infektionen durch ganz andere Erreger. Vor allem Ko-Infektionen durch Bakterien und Pilze haben entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Patienten sollen mit ihren behandelnden Ärzten über das individuelle Risiko sprechen. Hierzu gehört ebenfalls der Gedanke, sich durch konsequente Impfungen vor Ko-Infektionen zu schützen. Nicht alle Impfstoffe sind jederzeit erhältlich, aber sicherlich sollte man auf folgende Impfungen achten: Pneumokokken, Influenza, Zoster.

Worauf müssen Krebspatienten achten?

Die empfohlenen Schutzmaßnahmen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gelten auch für Krebspatienten [4]. Das sind
Schützen: Hände desinfizieren, Distanz zu Personen mit Infekten halten, und als wirksamste Maßnahme die freiwillige Einschränkung sozialer Kontakte, z. B. in großen Menschenansammlungen
Erkennen: erste Krankheitszeichen wie Husten, Halskratzen, Schnupfen und Fieber beachten Handeln: telefonischer Arztkontakt bei Krankheitszeichen nach Rückkehr aus einem Risikogebiet
Die mittlere Inkubationszeit liegt bei 6-7 Tagen. Nach einer Quarantäne von 14 Tagen gilt eine Infektion als ausgeschlossen.

Sollen Krebstherapien verschoben werden?

Bei jeder Krebstherapie muss der Nutzen der Behandlung gegen den möglichen Schaden, d.h. Nebenwirkungen, abgewogen werden. Das individuelle Infektionsrisiko ist unterschiedlich, abhängig von den Lebensumständen und den persönlichen Kontakten. Bei den meisten, akut an Krebs erkrankten Patienten steht der Nutzen einer sinnvollen und geplanten Krebstherapie über dem Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus. Bei Patienten mit chronischer und gut beherrschter Krebskrankheit kann individuell über eine Therapieverschiebung entschieden werden. Kommentar: Es kann sein, dass wir bei adjuvanten (vorbeugenden) Chemotherapien unter Bedingungen der Krise im Gespräch feststellen, dass die Risiken derart wachsen, dass der Nutzen im Vergleich dazu nicht mehr hoch genug ist - auch wenn uns dazu wirklich verlässliche Fakten / harte Zahlen fehlen. (Juni 2020) In den letzten Monaten wachsen die Informationen, die darauf hindeuten, dass bei der Mehrzahl der Krebstherapien das Verhältnis zwischen Risiko und Nutzen NICHT grundsätzlcih verschlechtert wird.

Sind Blutübertragungen gefährlich?

Nach wie vor liegen keine Berichte über die Übertragung von COVID-19 durch Blutübertragungen vor. Personen mit Infektionen und Personen, die in den letzten 4 Wochen Kontakt zu jemandem mit einer ansteckenden Krankheit hatten, werden in Deutschland nicht zur Blutspende zugelassen. Der Arbeitskreis Blut des Robert- Koch-Institut sieht kein Risiko einer COVID-19-Infektikon durch Blutspenden. - Kommentar: Der Bedarf an Blutprodukten für unsere Patienten sinkt nicht und wir fordern Gesunde dazu auf, weiter oder jetzt erst recht zum Spenden zu gehen.

Weitere Informationen / verlässliche Internetseiten

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