HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
Dres. Müller-Hagen | Bertram | Graefe | Kollegen

Impfen - nicht nur gegen Grippe

Gegen viele durch Erreger - meist Viren - verursachte ansteckende Erkrankungen kann wirkungsvoll geimpft werden. Eine beispiellose Erfolgsgeschichte sind die Ausrottung der Pocken, die fast-Ausrottung der Kinderlähmung, die Zurückdrängung der Masern. Vielen Millionen Menschen ist so das Leben gerettet worden. Besonders Patienten mit bösartigen Erkrankungen des Lymphsystems, Patienten unter Chemotherapie und Menschen ohne Milz sind in besonderer Gefahr, durch Erkrankungen zu Schaden zu kommen, gegen die man impfen kann.

Daher befürworten wir Impfungen für unsere Patienten und auch deren Familien. Wir wollen den Hausärzten nicht die Arbeit wegnehmen, aber wir haben früher so viele ungeimpfte Patienten in Gefahr gesehen, dass wir inzwischen ständig die relevanten Impfstoffe bevorraten.

Influenza - die saisonale Grippe

Die Gefährlichkeit der so genannten "Schweinegrippe" oder "Neue Grippe" bzw. der Grippestamm H1N1 wurde 2009 überschätzt. Ganz klar aber: die saisonale Grippe (gegen die es in jedem Spätherbst den für die jeweilige Grippesaison neuen Impfstoff gibt) ist erheblich bedrohlicher als der H1N1-Stamm: Zwar machen die Medien nicht viel Aufhebens darum, aber die saisonale Grippe mit jährlich vielen Tausend Todesopfern europaweit bleibt ein echter Killer. So gesehen, war nie zu begreifen, warum die Öffentlichkeit und die staatlichen Einrichtungen im Herbst 2009 viel Wert auf H1N1 legten, während es vergleichsweise ruhig um die saisonale Impfung blieb.

Die aktuellen saisonal angepassten Impfungen gegen Grippe decken immer dann auch die Stämme der sogenannten Schweinegrippe mit ab, wenn anzunehmen ist, dass die jeweiligen Grippestämme relevant werden.

Schon ansteckend, bevor Symptome warnen

Was die wenigsten wissen: Die saisonale Grippe ist bereits ansteckend, bevor man Symptome entwickelt. Es ist also ein Fehlschluss, zu glauben, man bräuchte sich ja nur fernhalten von gefährdeten immungeschwächten Patienten in dem Moment, in dem man merkt, dass man "was ausbrütet" - es kann zu spät sein und man ist längst eine Virenschleuder.

Ausnahmen von der Impfempfehlung

Patienten, deren Immunsystem durch Chemotherapien oder durch immunsupprimierende (= Immunität unterdrückende) Medikamente, oder durch spezielle Erkrankungen geschwächt ist, sollten nicht geimpft werden. Beachte: Eine ganze Reihe von Chemotherapien schwächen die Immunantwort nicht wesentlich. Wer eine Chemotherapie erhält, könnte also dennoch geeignet sein, sich impfen zu lassen. Fragen Sie uns! Häufig reduziert sich die Ausnahme von der Impfempfehlung auf Impfungen mit Lebendimpfstoffen, während das Hauptrisiko der Impfung mit Totimpfstoffen darin besteht, dass die Impfung schlechter angeht, also nicht so sicher Erfolg bringt wie beim Gesunden.

Übrigens bestätigen uns jeden Tag wieder viele Patienten auch unter Chemotherapie, dass sie nicht häufiger Schnupfen oder eine Erkältung erleiden als ihre gesunden Familienangehörigen oder als sie selbst üblicherweise vor der Erkrankung: Krebs bedeutet eben keineswegs, dass das Immunsystem insgesamt nicht funktioniert.

Milzlosigkeit - Asplenie - Verlust der Milz

Patienten, die aus welchen Gründen auch immer ihre Milz verlieren, sind gegenüber bestimmten Erregern besonders empfindlich. Es gibt eindeutige Empfehlungen, dass

  • ein Patientenpass ausgestellt werden sollte
  • ein Notfallantibiotikum zur Verfügung stehen sollte
  • bestimmte Imfpungen erledigt sein sollten.

Wir bieten an, dass wir uns darum kümmern.

Herdenimmunität

Indem Partner, Familie, Freundeskreis eines Immungeschwächten achtsam sind und sich impfen lassen, senken sie das Risiko erheblich, dass jeder zur gefährlichen „Virenschleuder“ wird. Machen Sie sich bitte klar: Kranke und Schwache mit schlechtem eigenen Impfschutz sind meist in einer Gruppe von Geimpften mitgeschützt, weil die Viren sich nicht gut in denjenigen Gruppen vermehren können, in denen sie keinen empfänglichen Wirt finden. Das ist eine der theoretischen Grundlagen für Impfpflicht, die in Deutschland aber abgeschafft ist.

Egoismus

Wenn jedoch die Selbstsucht um sich greift, keiner sich impfen lässt, aber jeder darauf kalkuliert, dass die anderen sich impfen lassen, wird am Ende die Grippewelle (oder andere Erreger) fürchterlich, weil fast alle empfindlich sind, erkranken und dadurch die Viren übertragen werden. Impfen ist daher eine Angelegenheit der Mitverantwortung eines jeden Bürgers für die Gemeinschaft. Wenn unsere Patienten sich mit krankem Immunsystem nicht mehr gut selbst durch Impfungen schützen können, wäre viel erreicht, wenn ihre Umgebung sich konsequent impfen lassen würde.

Lassen sie sich impfen, bitten Sie Ihre Familie und Ihr Umfeld zur Impfung. Werben Sie für Impfungen!
 

Wir haben uns entschlossen, auf dieser Website Cookies zu verwenden, um das Nutzerverhalten besser verstehen zu können. Wir möchten vor allem analysieren, welche Themen in Zusammenhang mit Krebstherapie am häufigsten nachgefragt werden.