HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
Dres. Müller-Hagen | Bertram | Graefe | Kollegen

Schleimhautentzündung (Mucositis)

Von Mucositis sprechen wir, wenn eine Entzündung von Schleimhäuten vorliegt. Besonders beeinträchtigend ist sie, wenn sie in der Schleimhaut des Mundes auftritt. Prinzipiell kann sie aber auch andere Schleimhäute treffen: in Speisröhre, Darm, Blase, Harnröhre, After, oder Scheide.

Es kann eine leichte Mucositis geben mit vermehrter Empfindlichkeit ohne wesentliche Einschränkungen, sie kann sich aber bis zu schweren blutenden "Löchern" mit starken Schmerzen steigern. Zum Glück kommt dies aber nur äußerst selten vor und ist eher typisch für sehr harte Therapien, die man nicht in der ambulanten Praxis gibt. Zu den Geschwüren kommt es dadurch, dass die gesunden Zellen der Mundschleimhaut durch die Chemotherapie abgetötet werden, weil sie auch zu den schnell wachsenden Geweben gehören, die meist durch Zellgifte besonders getroffen werden.

Was kann man selbst tun?

Letztlich muss man warten, bis sich die Schleimhaut regeneriert. Diesen Prozess können wir bisher nicht grundsätzlich beschleunigen, auch wenn hieran gearbeitet wird und Medikamente entwickelt werden, die als "stimulierende Faktoren" vielleicht eines Tages gezielt Schleimhautzellen dazu bringen, schneller zu wachsen. Ob diese Medikamente bezahlbar sein werden, es also der von Kassenärzten geforderten wirtschaftlichen Verordnungsweise entsprechen kann, sie zu Lasten der Kasse ("auf Rezept") zu verordnen, muss man abwarten. Bisher sieht dies nicht so aus und die Möglichkeit einer Verordnung ist extrem eingeschränkt.

Es müssen also die Patienten selbst die Verantwortung dafür übernehmen, dass in ihrem Mund möglichst gute Bedingungen für eine Regeneration der Schleimhaut geschaffen werden.

Die Prinzipien sind:

  • Verletzungen vermeiden: Keine Zahnstocher, Vorsicht mit Zahnbürste (nur weiche!)
  • Austrocknung vermeiden: viel Flüssigkeit, Speichel anregen, Schleimhaut benetzt halten, keine zu austrocknenden Spülungen (Vorsicht mit konzentriertem Salbei, Vorsicht mit Lösungen, die zu stark desinfizieren). Von guten Erfahrungen berichten Patienten mit Glandomed Lösung (rezeptfrei in der Apotheke)
  • Reizung vermeiden: scharfe, stark salzahltige und saure Speisen und Getränke (viele Fruchtsäfte reizen) meiden, lange kochen, weiche Nahrung, Nahrung eher lauwarm als zu heiß essen, lange kauen
  • Nikotin und Alkohol reizen die Schleimhaut. Nikotin vermindert die Durchblutung. Das verschlechtert die Regeneration erheblich. Spätestens jetzt verzichten!
  • Keime in Grenzen halten. Vorbeugen gegen Pilzbefall, desinfizierende Spülungen. Beachten: Manche der desinfizierenden Lösungen sind ziemlich scharf und adstringierend / austrocknend und behindern die Regeneration der Schleimhaut.
  • Schmerzen behandeln: Bei stärkeren Schmerzen lieber vorübergehend Schmerzmittel, bis hin zu starken Schmerzmitteln (Morphium) anwenden, dafür aber essen können, als hungern aus Angst vor Medikamenten! Gerne verschreiben wir in solchen gut begründeten Fällen eine Kombination von Glandomed-Lösung mit örtlichem Betäubungsmittel als Spüllösung, die der Apotheker auf Rezept herstellen kann.

Als Grundsatz gilt:

Lieber vorübergehend Schmerzmittel anwenden, dafür aber essen können, als hungern aus Angst vor Medikamenten! Gewichtsverlust schwächt die Abwehr.

 

Wir haben uns entschlossen, auf dieser Website Cookies zu verwenden, um das Nutzerverhalten besser verstehen zu können. Wir möchten vor allem analysieren, welche Themen in Zusammenhang mit Krebstherapie am häufigsten nachgefragt werden.