HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
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Durchfall

Von Durchfall sprechen wir, wenn mehr als dreimal täglich wässriger, dünner Stuhl kommt. Das ist eine Faustregel, die berücksichtigt, dass es darauf ankommt, den Körper nicht zu viel Flüssigkeit verlieren zu lassen. Durchfall kann viele verschiedene Ursachen haben. Hierzu zählen Infektionen, "normale" Medikamente, Strahlentherapie, Chemotherapie oder Kombinationen davon.

Es gibt eine Reihe von Chemotherapien, die Durchfall als wichtigste mögliche Nebenwirkung auslösen. Besonders häufig ist Durchfall in Zusammenhang mit Behandlungen von Darmkrebs, aber auch anderen Krebssorten, wenn die Medikamente 5-FU (= 5-Fluorouracil), Capecitabin (Handelsnamen zum Beispiel Xeloda oder Capecitabin) oder Irinotecan verwendet werden. Durchfall, der länger anhält bzw. sehr stark ist, kann zu bedrohlichen Verlusten an Blutsalzen (v.a. Kalium) und Flüssigkeit führen und den Kreislauf erheblich durcheinander bringen.

Wenn dazu Blutdruck-Tabletten oder "Wasser-Tabletten" genommen werden

Besonders, wenn Medikamente gegen zu hohen Blutdruck oder Herzschwäche ("Wassertabletten") eingenommen werden, kann Durchfall stark schwächen. Immer wieder sehen wir Patienten mit Durchfall, die ihren Blutdruck durch unerkannt zu hohe Dosierungen derart "in den Keller" drücken, dass ihnen schwindlig wird uns sie stürzen und sich verletzen.

Das müssen Patienten in eigener Verantwortung beobachten und erkennen und verhindern können! Wenn Sie Blutdruckmedikamente nehmen, müssen Sie in der Lage sein, die Medikamentenwirkung zu messen. Gute Blutdruckmessgeräte kosten wenig Geld und sie sind heute sehr bedienerfreundlich und leicht anzuwenden. Wenn Sie zu hohen Blutdruck medikamentös behandeln und dann Durchfall entwickeln: Blutdruck messen!

Es kann sein, dass Sie ihre Medikamente niedriger dosieren müssen und vielleicht "Wassertabletten" vorübergehend weg lassen müssen. Alle Hochdruckpatienten müssen in eigener Verantwortung klären können, ob das Behandlungsziel (ein bestimmter Bereich wünschenswerter Druckwerte) erreicht oder verfehlt wird. Zu niedriger Blutdruck kann dabei schädlicher sein, als wenn er etwas zu hoch ist. Wir helfen dann gerne, die vorsichtigere Dosis festzulegen. Auch dafür ist unsere Notfallnummer gedacht, wenn die Frage nicht tags oder beim Hausarzt geklärt werden konnte.

Was eher nützt

  • Viel Flüssigkeit: 2-3 Liter anstreben, dabei nicht nur Wasser trinken.
  • Salzverlust ist eine prinzipielle Gefahr bei Durchfall. Dagegen hilft: Brühe, Salzstangen, o.ä.
  • leicht verdauliche Speisen mit hohem Eiweiß-, Kalium- und Kaloriengehalt und wenig Ballaststoffen. Beispiel: Hüttenkäse, Eier, gekochter weißer Reis, Nudeln, Toast.
  • häufigere kleine Mahlzeiten
  • den Analbereich besonders pflegen, damit hier nicht noch Schleimhautschäden hinzutreten: nach Stuhl warm säubern, vorsichtig abtrocknen, wasserabweisende Salbe / Creme auftragen (z.B. Penaten o.ä.).
  • Pektin aus rohen mit Schale fein geriebenen Äpfeln (2-3 Stück pro Tag) stopft.

Was eher schadet

  • Sie sollten nichts essen, was die Verdauung besonders anregt: scharf Gewürztes, Ballaststoff reiche Nahrung wie frisches Obst oder Gemüse
  • keine schweren fetten Speisen oder Nahrungsmittel
  • keine koffeinhaltigen oder stark kohlensäurehaltigen Getränke
  • Milch oder milchhaltige Produkte sind häufig nicht gut verträglich
  • Rauchen regt zusätzlich den Darm an - Sie sollten es ohnehin lieber lassen, jetzt aber besonders.
  • Medikamente, die zusätzlich den Darm anregen. Besonders der "Übelkeitsverhinderer" Metoclopramid / MCP kann hier ein Problem sein! Wenn Sie dieses Medikament gegen Übelkeit gleichzeitig einnehmen, müssen wir sprechen und die Medikation anpassen.

Wenn ...

... Durchfall länger als 1 Tag anhält, müssen wir das wissen! Rufen Sie an, damit im Einzelfall das Vorgehen abgesprochen werden kann. Dafür ist auch unsere Notfallnummer gedacht.
 

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