HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
Dres. Müller-Hagen | Bertram | Graefe | Kollegen

Fieber bei Chemotherapie zeigt Gefahr an

Als Fieber wird bezeichnet, wenn die Körpertemperatur bei mehrfachen Messungen 38,3 Grad übersteigt oder bei einer Messung 38,5 Grad erreicht. Darunter handelt es sich um "erhöhte Temperatur".

Patienten, die Chemotherapie erhalten, müssen ein funktionsfähiges Thermometer im Haushalt haben. Die Messmethode, die Hand auf die Stirn zu legen, ist zwar beliebt, aber sie reicht wirklich nicht! Und, Hand aufs Herz: eigentlich sollte das klar sein, aber sind Sie sicher, dass Ihr Thermometer funktioniert?

Wenn Sie Chemotherapie erhalten und Sie bekommen Fieber: nutzen Sie unbedingt die Notfall-Telefonnummer unserer Praxis. Rufen Sie an. Lassen Sie uns beraten!

Bedeutung von Fieber

Es ist nicht gesagt, dass das Fieber im Einzelfall gefährlich ist. Fieber ist häufig ein körperliches Anzeichen dafür, dass eine Infektion vorliegt. Was man sich klar machen muss: Wenn Fieber in einer Situation auftritt, in der der Körper besonders abwehrgeschwächt ist, ist es gefährlicher, als wenn eine normale Reaktionsbereitschaft erwartet werden darf. Chemotherapie bedeutet keineswegs, dass zu jeder Zeit alle Patienten mit allen Chemotherapien in gleicher Weise eine Abwehrschwäche haben. Die wichtigste Abwehrleistung gegen Bakterien und Pilze wird durch bestimmte weiße Blutkörperchen gewährleistet. Besonders, wenn die Chemotherapie deren Zahl absenkt, wächst die Gefährdung.

Wenn man weiß, dass die Zeit mit niedrigen Zahlen weißer Blutkörperchen lange anhalten wird, ist die Gefahr logischer Weise größer, als wenn man erwarten darf, dass in ein paar Tagen die Abwehrleistung weitgehend normal sein wird. Bei vielen Chemotherapien besteht eine Phase mit verminderten Zahlen weißer Blutkörperchen zeitlich etwa in der Mitte zwischen den Gaben der Chemotherapie.

Risikoabschätzung bei Fieber unter Chemotherapie

Im Falle von Fieber brauchen unsere Patienten eine individuelle Beratung und Einschätzung der Situation, die davon abhängt,

  • welche Erkrankung vorliegt,
  • in welchem Stadium,
  • welche Chemotherapie gegeben wurde,
  • wie lange das her ist,
  • welche begleitende Medikation gegeben wurde
  • und welche begleitenden Risiken bestehen.

Wenn Sie bei uns Chemotherapie erhalten, müssen wir sofort wissen, wenn Sie Fieber bekommen. Auch und gerade nachts oder am Wochenende! Chemotherapie und Fieber kann bedeuten, dass wir dringend dazu raten müssen, eine antibiotische Behandlung zu beginnen, manchmal intravenös und damit eventuell sogar notfallmäßig und stationär im Krankenhaus!

Schmerzmittel, Chemotherapie, Infektion, aber KEIN Fieber - Vorsicht!

Ein Sonderfall besteht, wenn Sie Chemotherapie erhalten und zugleich solche Schmerzmittel einnehmen, die Fieber unterdrücken. Wir versuchen zwar, diese Konstellation bei unseren Patienten zu vermeiden, aber manchmal ist keine Ausweichmöglichkeit gegeben oder wir wurden über die Einnahme nicht informiert. Wo ist das Problem?

  • Novaminsulfon ("Nova") = Metamizol und 
  • Paracetamol und
  • Aspirin, ASS und auch
  • Diclofenac, Ibuprofen (diese beiden weniger),

nicht aber:

  • Transtec,
  • MST,
  • Durogesic,
  • Tramadol,
  • Sevredol,
  • Tilidin, (und vergleichbare Präparate)

unterdrücken die Ausbildung von Fieber. Paracetamol ist das typische "Fieberzäpfchen" für Kinder. Potente Fiebersenker, gemeint als Schmerzmittel, können Fieber vollständig unterdrücken. Damit fehlt uns ein entscheidendes Warnzeichen.

Fieber als Warnzeichen

Fieber bei Chemotherapie ist der wichtigste Hinweis auf eine Infektion. Man kann kaum am Fieber sterben, wohl aber an einer nicht erkannten und nicht behandelten schweren Infektion. Wenn also Schmerzmittel verhindern, dass sich ein sinnvolles Warnzeichen ausbildet bzw. wenn wir es nicht mehr wahrnehmen können, könnte eine notwendige Antibiotikabehandlung unterbleiben. Wenn Sie unter Chemotherapie Fieber verhindernde Schmerzmittel einnehmen müssen und "sich nicht fühlen" wie man in Hamburg manchmal sagt, darf man das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Man muss ggf. klären, ob sich dahinter in der Phase des Zelltiefs eine durch Schmerzmittel verschleierte Infektion verbirgt.

Das kann bedeuten: Man muss herausbekommen, ob tatsächlich ein Zelltief besteht (ob also "die Leukos unten sind") und ob andere Anzeichen für eine behandlungsbedürftige bakterielle Infektion erkennbar sind. Meist geht es nicht ohne eine konkrete aktuelle Messung des sogenannten Blutbildes bzw. von Entzündungsparametern im Blut. Auch und gerade nachts oder am Wochenende, auch wenn wir Sie dafür auffordern müssen in die Klinik zu fahren!

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