HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
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Die wichtigsten Medikamente gegen Übelkeit

"Antiemetika" nennen wir die Gruppe der Medikamente, die Erbrechen und Übelkeit verhindern. Wir listen die wichtigsten und nennen ihre Eigenschaften, damit ihr vernünftiger Einsatz verständlich wird. Übrigens sind außer Nebenwirkungen, Verschreibungsfähigkeit und Rezeptpflicht auch Kosten eine Eigenschaft von Bedeutung. Im Einzelnen finden Sie Informationen zu

  • Dimenhydrinat = Vomex A©
  • Dexamethason = z.B. Fortecortin©
  • Granisetron = z.B. Kevatril© (intravenös, oral); als Pflaster = Sancuso©
  • Metoclopramid = MCP (verschiedene Hersteller)
  • Dimenhydrinat = Vomex A©
  • Palonosetron = Aloxi© i.v.
  • Palonosetron = Aloxi© Weichkapseln
  • Feste Kombination: Netupitant mit Palonosetron ("NePa") = Akynzeo©
  • Ondansetron =  z.B. Zofran©
  • Aprepitant = Emend©
  • Lorazepam = z.B. Tavor©
  • Haloperidol = z.B. Haldol©

 

Dimenhydrinat = Vomex A©

Apotheken-, aber nicht rezeptpflichtig. Als Dragees, aber auch als Zäpfchen erhältlich (und Sirup, Kautablette, i.v. und i.m. Injektion). Gut gegen leichtere Übelkeit, häufig daher gut an Tagen nach der Chemotherapie, selten eingesetzt am Tage der Chemotherapie. Kann müde machen. Vorsicht mit der Verkehrssicherheit! 20 Dragees kosten ca. 5€€ (01/2013). Manchmal sind bei Übelkeit Zäpfchen besser: 10 Stück für 5-10€€.

Dexamethason = z.B. Fortecortin©

Kortisonpräparat mit hervorragender Wirksamkeit gegen Erbrechen. Standardmedikament. Lange Zeit galt als normal Einzeldosis 20mg. Aufteilen möglich, aber nicht sicher besser. 8mg wirkt möglicherweise nicht wesentlich schlechter, verursacht aber deutlich weniger unerwünschte Wirkungen. Typischerweise kann es Blutzuckererhöhungen machen und einen "roten Kopf"; manche Patienten fühlen sich etwas "aufgedreht". Das Immunsystem wird beeinträchtigt. Wer knapp mit seinem Kaliumspiegel ist, sollte es ohne gelegentliche Kontrollen nicht zu lange nehmen. Vorsicht daher: Anwendung über längere Zeiträume (mehr als 4 Tage) nur nach Rücksprache mit dem Arzt. Beliebt ist Dexamethason auch deswegen, weil manche Chemotherapien Allergie-artige Reaktionen auslösen könnten, die man so gleichzeitig hervorragend vorbeugend mitbehandelt. 02/13 findet man ein sehr breites Preisspektrum. 8mg als Tablette gibt es für ab 1,10€€.

  • Gesamtbewertung: hochgradig nützliches Standardmedikament, gerne in Kombination am Tag der Chemotherapie eingesetzt, gerne allein am Tag (oder auch den zwei Tagen) danach. Keine Dauerbehandlung.

Granisetron = z.B. Kevatril© (intravenös, oral); als Pflaster = Sancuso©

eines aus der Medikamentengruppe der sogenannten "Setrone" oder "5-HT3-Antagonisten". 1mg in die Vene oder 2mg als Tablette. Wirkt rund 24 Stunden. Höhere Dosierungen sind nicht besser ("mehr als wirken kann es nicht"). Kann wie auch andere Vertreter seiner Wirkstoffgruppe Kopfschmerzen und/oder Verstopfung (auch mehrere Tage lang anhaltend) verursachen. Gern am Tag der Chemotherapie gegeben, gern mit Dexamethason kombiniert. Als Vorbeugung gegen verzögertes Erbrechen nicht sicher besser als Dexamethason (s.o.), aber manchmal am Tag nach der Chemotherapie nützlich, selten auch noch an Tag 3 (dem 2. Tag nach der Therapie). Gegenüber Ondansetron (Zofran) ist Granisetronn medizinisch insofern pfiffiger, als dass der chemische Abbau im Körper sich weniger als beim Zofran mit dem anderer Medikamente stört -– und die Wirkung hält länger an. Kosten bei Gabe in die Vene: 5x3ml = 15ml sind für 108€€ gelistet (02/13). Man benötigt 1ml pro Portion; Kosten: rd. 7,20€€

Granisetron wird auch angeboten als Medikamentenpflaster. Unter dem Handelsnamen Sancuso© wird der Wirkstoff in eine Gel-Trägerschicht eingebettet, die auf die Haut geklebt wird und über bis zu sieben Tage lang Wirkung zeigt, indem Granisetron verzögert freigesetzt wird. Kosten (11/13) 103€ für 1 Pflaster. Kann zur Vorbeugung gegen Chemotherapie-assoziiertes Erbrechen besonders dann gut geeignet sein, wenn Patienten unter länger dauernder verzögerter Übelkeit leiden oder wenn Übelkeit verursachende Therapien an mehr als drei aufeinander folgenden Tagen gegeben werden müssen.

  • Gesamtbewertung: Zur Verhütung von Übelkeit und Erbrechen durch starke-Übelkeit-verursachende-Chemotherapie (also gar nicht immer nötig) am Tag der Chemotherapie eines der von uns am meisten eingesetzten speziellen Medikamente.

Metoclopramid = MCP

gut erforschtes, langjährig bekanntes, preiswertes Standardpräparat. In der Krebstherapie meist als Tropfen dosiert, Wirkstoffkonzentration 4-5mg/ml. 2014 beurteilten die Behörden das als zu gefährlich - sehr zum Unverständnis der Onkologen (und übrigens auch Schmerztherapeuten, die es bei Migräne sehr gern verschreiben). Unverändert als Zäpfchen oder als Tabletten erhältlich. Üblicherweise 3 mal tgl. einzunehmen. Selten Unverträglichkeit in Form von Bewegungsstörungen, die letztlich harmlos und vorübergehend sind; allerdings hat chronisch fortgesetzte Anwendung trotz Bewegungsstörungen zu bleibenden Schäden geführt. In der Onkologie gilt die Erfahrung: Wer niedrige Dosierungen verträgt, hat eigentlich nie zusätzliche Nebenwirkungen, wenn die Dosis gesteigert wird. Man weiß aus Anwendungen in sehr hohen Dosierungen aus Zeiten vor Erfindung des Kevatril und ähnlicher Wirkstoffe, dass die Dosis ohne Schwierigkeiten verdoppelt werden kann.100 Tabletten davon sind für rd. 14€€ zu haben (02/13). Wer hat ein Interesse, für ein so preiswertes Medikament Werbung zu machen?

Ende 2015 wurden MCP Tropfen wieder zugelassen. Sie werden jetzt in einer niedrigeren Konzentration (1mg/ml) angeboten, so dass mittels einer Pipette dosiert werden soll, weil man das fünffache Volumen braucht.

  • Gesamtbewertung: gut verträgliches Medikament, das vor allem bedarfsweise zur Behandlung von doch noch aufkommender Übelkeit an Tagen nach der Chemotherapie genommen werden kann. Wir verschreiben es gerne von vornherein, damit unsere Patienten für den Notfall was da haben.

Palonosetron = Aloxi© i.v.

i.v. = intravenös, also als Spritze oder im Tropf vor der eigentlichen Chemotherapie ins Venensystem gegeben, ist Aloxi ein weiteres Medikament aus der Gruppe der sogenannten "Setrone". Am Tag der Chemotherapie meist den anderen Setronen nicht deutlich überlegen, bleibtes es aber länger im Körper und ist damit auch am Folgetag oder sogar am übernächsten Tag noch wirksam. Dafür ist es überproportional teurer: mit 103€€/Portion 02/13 gelistet gegenüber Granisetron, das mit rd. 7,20€€ nur rund 1/14 kostet. Wir hätten in vielen Fällen Schwierigkeiten, zu begründen, warum Aloxi wirtschaftlich sein soll.

  • Bewertung: Wenn wir wissen, dass wir eine über mehrere Tage anhaltende Wirkung erzielen müssen, oder wenn sich gezeigt hat, dass Patienten unerwartet empfindlich reagieren, kann es ein sehr sinnvolles Medikament sein

Palonosetron = Aloxi© Weichkapseln

Das Medikament kann auch als Kapsel zur Einnahme mit etwas Flüssigkeit verschrieben werden. Der Hersteller bewirbt es mit der Behauptung, dass es so besonders lange wirkt und seltener als andere Vertreter seiner Wirkstoffklasse Kopfschmerzen oder Verstopfung verursacht. Das deckt sich mit den Erfahrungen, die unsere Patienten berichten.

Feste Kombination: Netupitant mit Palonosetron ("NePa") = Akynzeo©

2015 neu auf den Markt gekommen ist die Kombination aus dem Medikament Netupitant, das dem bekannten Aprepitant ähnelt, mit Palonosetron. Hier werden zwei hochwirksame Prinzipien kombiniert. Gedacht ist das für die Vorbeugung von sehr starkem Erbrechen / Übelkeit, und zwar sowohl akut während der Chemotherapie, als auch an Folgetagen, also gegen verzögert einsetzende Übelkeit / Erbrechen. Unter dem Namen Akynzeo kosten die Hartkapseln 169€, und zwar pro Stück (09/15).

Achtung: Es gibt eine Reihe von gegenseitigen Beeinflussungen mit anderen Medikamenten. Wer Akynzeo nimmt, sollte prüfen, ob es sich mit vorhandener Medikation verträgt. Auch Akynzeo kann Verstopfung und Kopfschmerzen machen.

  • Bewertung: Aus dem Behandlungsalltag können wir noch keine Bewertung abgeben, das Medikament ist noch zu neu. Die Ergebnisse zur Effektivität in den wissenschaftlichen Studien sind gut. Insbesondere bleibt abzuwarten, für welche Patienten und welche Situationen der sehr hohe Preis gerechtfertigt ist. Als Kassenärzte sind wir verpflichtet, zweckmäßig, angemessen und wirtschaftlich zu verschreiben. Nicht jeder Patient braucht gleich die stärksten Wirkstoffe.

Ondansetron =  z.B. Zofran©

Sehr ähnlich wie Kevatril/Granisetron und Aloxi/Palonosetron (selbe Medikamenten"klasse" der Setrone); kürzer wirksam, muss höher dosiert werden. In gleich wirksamer Dosis teurer als Kevatril, so dass wir in der Regel keinen höheren Nutzen erkennen können. (02/13 mindestens 12€ €/8mg intravenös; ca. 7€€/8mg als Tablette – Tagesdosis bis 32mg, Tagesbedarf rund 28€€ oral bzw. 48€€ intravenös für Ondansetron).

Besonderheit allerdings: es wird eine sich auf der Zunge bzw. auf der Wangenschleimhaut auflösende Tablette angeboten (als zum Beispiel "Zofran Zydis" oder "Cellondan lingual Schmelztabletten"), die für manche Patienten günstiger ist, weil sie nicht geschluckt werden muss.

  • Bewertung: Im Vergleich zu modernen Setronen (beispielsweise Granisetron) bietet es keine Vorteile - ausser in der Darreichungsform als Schmelztablette

Aprepitant = Emend©

erst 2004 zugelassenes Medikament, welches kombiniert mit z.B. Kevatril und Dexamethason (s.o.) zusammen bei ganz bestimmten Chemotherapien (besonders Therapien mit der Substanz Cisplatin, aber inzwischen auch für andere starke Übelkeit hervorrufende Chemotherapien zulässig) eingesetzt werden kann. Die Wirkung von Kevatril / Dexamethason wird dabei verstärkt. Eine Packung mit 3 Kapseln ist 02/13 mit knapp 90€€ gelistet.
Meist Einnahme als Tablette in am ersten Tag höherer Wirkstärke an drei aufeinander folgenden Tagen, morgens zu Haus vor der Chemotherapie. Teilweise setzen wir es auch intravenös ein (es heißt dann Fosaprepitant bzw. IVEmend).

  • Bewertung: Die Wirkstoffklasse, zu der Aprepitant gehört, ist ein unverzichtbarer Bestandteil der vorbeugenden Behandlung vor Chemotherapien, von denen man weiss, dass sie sehr starke Übelkeit verursachen.

Lorazepam = z.B. Tavor©

eines aus der Gruppe der Medikamente, die mit Valium verwandt sind (Benzodiazepin). Eigentlich wird es als Angst lösendes Medikament eingesetzt. Man hat aber gemerkt, dass es wertvolle beruhigende Wirkungen hat, die auch die Wahrscheinlichkeit zu senken helfen, dass es zu Übelkeit kommt. Wird manchmal kombiniert eingesetzt mit anderen der beschriebenen Medikamente. Manchmal nützlich, weil es eine sehr schnell wirkende Darreichungsform gibt, bei der die Tablette auf der Zunge zergeht und nicht geschluckt werden muss. Kosten (02/13) ca. 13€€ für 20 Tbl. a 1mg (entsprechend 0,65€ pro Gabe)

  • Bewertung: Dass man ein Angst lösendes Medikament gut gebrauchen kann in der Vorbeugung von Übelkeit zeigt, wie vielschichtig wir Menschen nun einmal sind. Wir möchten die Möglichkeit nicht missen, auch diesen Aspekt in der Behandlung zu berücksichtigen.

Haloperidol = z.B. Haldol©

ebenfalls Medikament aus dem Bereich der Angst beeinflussenden Medikamente, ursprünglich Psychopharmakon aus der Behandlung von Schizophrenien - hat aber günstige Wirkungen auch in ganz anderen Bereichen. Genutzt wird seine Eigenschaft, auch die Steuerung der Nerven zu beeinflussen, die beim Erbrechen aktiviert sind. Zählt zu den sogenannten Ko-Antiemetika, den Medikamenten, die man als Kombinationspartner hinzunehmen kann. Einnahme tropfenweise. Also: wenn Onkologen Haloperidol verschreiben, hat es nichts mit seelischen Störungen zu tun. Preise: 30ml kosten rund 11€ und reichen lange (02/13). Die Dosierungen in der Onkologie haben nichts zu tun mit den (vielfach höheren und chronischen), die in der Psychiatrie eingesetzt werden. Das ist wichtig, weil die unerwünschten Wirkungen nicht vergleichbar sind.

  • Bewertung: Reservemittel, in der Onkologie selten verwendet.

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