HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
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Foto: B. Solcher  

Was erreichen? Was erreichen!
Zielrichtungen von Therapien gegen Krebs, Lymphome, Leukämien, Sarkome..

 

Natürlich kann diese sehr grobe Erläuterung nicht dicke Bücher ersetzen. Wenn Sie oder jemand Ihnen nahe stehendes von einer bösartigen Erkrankung betroffen sein sollten, werden Sie früher oder später mit vielen der genannten Begriffe konfrontiert, so dass diese Zeilen vielleicht die Orientierung erleichtern.

Eines sollte man dabei nie vergessen: Immer wird es darum gehen, in der jeweiligen Situation die richtigste Vorgehensweise zu finden. Eine, die für den Betroffenen, aber auch für die Tumorerkrankung in ihrer jeweiligen Ausbreitung und Bedrohlichkeit passt. Dazu wird der Onkologe den Patienten mit seinen Einstellungen, Ansichten, Zielen und Bedingungen kennen lernen müssen, aber auch Daten benötigen, die die Erkrankung möglichst genau verstehen lassen.

Adjuvante Therapie
Der Begriff „adjuvant“ wird besonders dann angewendet, wenn man deutlich machen möchte, dass zwar eine Behandlungsart mit sehr hoher Wirksamkeit (meist die Operation) bereits erfolgreich durchgeführt wurde, aber weitere Schritte jetzt das Ergebnis noch verbessern oder sicherer machen sollen, beispielsweise zusätzliche Chemotherapie oder Strahlentherapie. Die adjuvante Therapie hat also vorbeugenden Charakter („zur Sicherheit“) - ohne dass es eine Erfolgsgarantie geben kann.

Häufig werden adjuvante Chemotherapien beim Mammakarzinom (Brustkrebs), beim Kolonkarzinom (Dickdarmkrebs) und beim Rektumkarzinom (Enddarmkrebs), in bestimmten Fällen auch beim Bronchialkarzinom (Lungenkrebs) eingesetzt. Wir bemühen uns, unseren Patienten individuelle Zahlen zur Effektivität der Maßnahmen zu nennen, wenn sie dies wissen möchten.

Hintergrund:

Bei manchen Erkrankungen kommt es statistisch gesehen leider trotz einer vollständigen Operation nach einiger Zeit zu einem Rückfall, häufig mit Tochtergeschwülsten. Man nimmt an, dass dies durch Krebszellen verursacht wird, die bereits lange vor Entdeckung der Erkrankung und vor dem erstem Behandlungsschritt sich vom Tumor gelöst haben und "schlafend" und als Einzelzelle nicht entdeckbar von der ersten Therapie nicht erfasst worden sind.

Man kann dem einzelnen Patienten daher auch nicht ansehen, ob gerade er derjenige ist, bei dem eine solche nicht erkennbare Streuung stattgefunden hat. Weil man die adjuvante Therapie ja gerade dann einsetzt, wenn mit üblichen Methoden bereits kein Tumor mehr nachweisbar ist, kann man bei ihr ebenfalls prinzipiell nie messen, ob sie ihren Zweck erfüllt.

Von großer Wichtigkeit bei adjuvanten Chemotherapien ist, dass sich mit ihnen keinerlei Versprechen verbinden lassen, ob sie im Einzelfall auch nützen. Dass sie angeboten werden, ist immer die Folge des statistischen Nachweises, dass sie im Prinzip nützen könnten. Das bedeutet, dass es Patienten gibt, die wir adjuvant behandeln, die aber dennoch später einen Rückfall erleiden, dass unter den Behandelten eine große Zahl ist, die wir behandeln (und die Nebenwirkungen haben!), die auch ohne diese Behandlung nie einen Rückfall erlitten hätten, und dass leider häufig die Zahl derer, die durch die Vorbeugung den Rückfall nicht bekommen, der sie ohne Vorbeugung erwischt hätte, im Vergleich zur Menge der "erfolglos" oder "unnötig" Behandelten klein ist.

Zahlenbeispiel: Rückfallrate 20% = von 100 Patienten, die operiert wurden, werden in 5 oder 10 Jahren 20 an einem Rückfall gestorben sein. Wenn alle 100 eine adjuvante Therapie erhalten, die die Rückfallrate um 30% senkt, dann werden von den 20, die sonst gestorben wären, 6 keinen Rückfall haben. 14 werden ihn trotzdem haben. 80 hätten nie behandelt werden müssen. Unser Problem: Wir wissen nie vorher, welche die 6 sind. Deswegen müssen wir 94 "umsonst" behandeln.

Neoadjuvante Therapie
Nun wird es so kompliziert, dass selbst viele Ärzte den Begriff nicht korrekt benutzen. Gemeint ist: Man kehrt die Abfolge der Behandlungsarten um und fängt nicht so an, wie früher immer. Man beginnt sozusagen mit der adjuvanten (s.o.) Behandlung und führt die klassische und in der Regel am stärksten wirksame Methode (meist die OP) erst im zweiten Schritt durch.

Am deutlichsten wird es am Beispiel: Hat man Enddarmkrebs früher normalerweise operiert und danach den Strahlentherapeuten gerufen, damit er eine nachfolgende Zusatzbehandlung zur besseren Sicherheit (eine adjuvante Therapie – s. oben) macht, so setzt sich inzwischen die Erfahrung durch, dass die Ergebnisse insgesamt besser werden, wenn als erster Schritt eine Mischung aus Bestrahlung und dazu noch Chemotherapie gegeben wird und erst danach das getan wird, was sonst gleich üblich war, die OP vorgenommen. Im Beispiel ist die Bestrahlung bzw. ihre Kombination mit Chemotherapie als „neoadjuvante“ Therapie zu bezeichnen.

Die Wirksamkeit einer neoadjuvanten Therapie kann man im Einzelfall daran messen, dass der Tumor bereits vor der Operation zurückgeht.

Kurative Therapie
Hier soll herausgestellt werden, dass die betreffende Behandlung (bei der es sich durchaus auch um eine Kombination aus OP und Bestrahlung und Chemotherapie, nicht immer nur um eine alleinige Behandlungsart, handeln kann) so beurteilt wird, dass realistischer Weise das Ziel erreicht werden kann, eine Heilung vom Krebs (Sarkom, Lymphom..) zu bewirken.

In diesem Begriff ist die Überlegung versteckt, dass zu Gunsten eines solchen (wertvollen und als vorrangig eingeschätzten) Ziels in manchen Fällen ein Patient auch (dem gegenüber weniger wichtige) Nachteile durch die Therapie in Kauf nehmen müsste.

Palliative Therapie
Gegenüber der kurativen Therapie wird die Situation unterschieden, in der wenig wahrscheinlich ist, dass durch aktive gegen den Tumor gerichtete Maßnahmen (OP, Bestrahlung, Chemotherapie, Hormontherapie, Antikörper..) eine Heilung erreicht werden kann. Dann aber geht es um andere Ziele, wie Linderung von Beschwerden, Verlängerung der Lebenszeit, Lebensqualität. Hier muss Arzt mit Patient in jedem Einzelfall sehr viel genauer abwägen, ob zusätzliche Nachteile durch die Therapie akzeptiert werden sollen bzw. „müssen“. Im Prinzip dreht es sich meist um die Frage: Sind Nebenwirkungen wahrscheinlich und stehen sie in einem individuell akzeptablen Verhältnis zum Gewinn an Lebenszeit und Lebensqualität?

Achtung:

Wir möchten darauf hinweisen, dass Ärzte diesen Begriff ("palliativ") korrekter Weise auch dann verwenden, wenn sie  allein schon deswegen ohne den Anspruch der Heilung behandeln, weil sowieso nicht zu erwarten ist, dass das bösartige Leiden zum Tode führt. Schließlich gibt es nicht ganz selten Situationen, in denen man erwarten kann, dass ein Patient trotz eines bösartigen Leidens genauso alt wird, wie ohne es. Was man sich häufig nämlich gar nicht klar macht: So manche Herz-Kreislauferkrankung stellt eine größere Bedrohung dar, als einige Krebsleiden. Besonders gilt dies für manche Prostatakrebse und sogenannte "Altersleukämien" (CLL)

Abgrenzung gegenüber dem Begriff Palliativmedizin:

Begriffsverwirrung: Es gibt auch einen Sprachgebrauch, der dem Wort "palliativ" wieder eine andere Bedeutung zuweist: Verbreitet ist der Begriff "Palliativmedizin". Hier gibt es Überschneidungen zum Begriff der "supportiven" Therapie (auch "BSC" = "best supportive care"). Dabei geht es um Folgendes: Selbst wenn man nicht mehr wird heilen können, also deswegen eine als palliativ zu bezeichnende Behandlungsstrategie wählt, ist es häufig sinnvoll, aktive gegen den Tumor gerichtete Maßnahmen zu wählen, wie Chemotherapie, Strahlentherapie etc.. Diese bezeichnen Onkologen in der Regel als palliative Therapie (s.o.). Es kann aber sein, dass bei fortgeschrittenerer Erkrankung z. B. Schmerztherapie und Bekämpfung anderer Symptome im Vordergrund stehen, und man diese aktiven Maßnahmen nicht wählt, weil ihre Nachteile überwiegen. Dann redet man zwar nicht von einem "palliativen Behandlungsziel". Die jetzt gewählten Therapieziele werden als "supportiv" bezeichnet. Gleichwohl wird die Ausrichtung der Medizin, die sich vorwiegend hiermit beschäftigt, nicht als "Supportivmedizin", sondern als "Palliativmedizin" bezeichnet.

Supportive Therapie
Dies ist ein durchaus heikler Begriff: Wenn die Optionen palliativer Therapie soweit ausgeschöpft sind, dass der Arzt erkennt, jede mögliche weitere aktive gegen den Tumor gerichtete Maßnahme (Zellgifte, Bestrahlung, Operation..) würde dem Menschen insgesamt nur mehr schaden als nützen, wird er versuchen, seinen Patienten deswegen nicht „aufzugeben“. Supportiv, also unterstützend, kommen durchaus weitere Maßnahmen in Frage, wie beispielsweise Schmerztherapie oder Blutübertragungen.

Letzte Änderung: 24.03.08

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