HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
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 Nachsorge

Ja, wir bieten in vielen Fällen die Nachsorge an. Doch Achtung: Mit diesem Begriff verbinden sich unterschiedlichste Vorstellungen. Vor allem erwarten fast alle Patientinnen und Patienten, dass nach Überstehen einer ersten Therapiephase einer Krebserkrankung, die nicht selten OP, Chemotherapie und Bestrahlung umfasst hat, dann regelmäßige und intensive technische Untersuchungen vor den Konsequenzen eines Rückfalls schützen würden.
 
Das ist leider nicht so einfach und häufig sogar falsch. Man könnte intuitiv meinen, dass bei Symptomfreiheit ein um einige Monate früheres Auffinden eines Rückfalls die Chancen verbessert. Nur wenn das stimmt, lohnt es sich, auch ohne Symptome Untersuchungen wie Labor, Röntgen, Ultraschall, Kernspin oder Szintigraphie zu veranlassen. Teils gibt es Anhaltspunkte für einen solchen Nutzen und wir suchen in der Nachsorge danach, teils wurde bewiesen, dass ein solcher Nutzen nicht zu erkennen ist - und wir sollten dann die Situation nicht durch Untersuchungen verschlimmbessern. Jedenfalls aber hat Nachsorge ihren Sinn - und wenn er in der Begleitung liegt und im Erkenntnisgewinn über Langzeitergebnisse.
 
 

 

  • Allgemein: Nur mit richtig gemachter Nachsorge lassen sich Störungen erkennen, die durch die Therapie hervorgerufen worden sind. Dies kann langzeitig bei manchen insbesondere hochintensiven Chemotherapien der Fall sein, aber auch nach Bestrahlungen. Es kann aber auch so vermeintlich banale Dinge betreffen wie Folgen von Operationen, z.B. Narbenbrüche. Wiederum kann es sein, dass OPs Funktionsstörungen bedingen, gegen die man etwas machen muss. Beispiel: Wenn durch eine OP am Magen kein Vitamin B12 auf natürlichem Wege mehr in den Körper gelangt, wenn die Fettverdauung zum Problem wird oder die Aufnahme mancher Nahrungsstoffe im Darm nicht mehr möglich ist: Nachsorge kann dazu dienen, diese Dinge zu klären.

 

       

         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlaglichtartig zeigen einige Details, wie unterschiedlich die Situation sein kann:

  • Brustkrebs: Jahrzehnte lang haben die Onkologen ihre Patientinnen darauf trainiert, dass in regelmäßigen Abständen Kataloge von Untersuchungen abzuarbeiten waren. Es gibt Studien, die nicht vermocht haben nachzuweisen, dass dies den geringsten Überlebensgewinn bringt. Aber eines ist sicher: Rückte der Nachsorgetermin näher, stieg die Angst. Lebensqualität? Nein.
  • Eierstockskrebs: Wenn man eine Therapie des Rückfalls auf Basis eines Tumormarkeranstiegs macht, leben die Betroffenen nicht länger, als wenn man erst mit der Therapie begonnen hätte, wenn Symptome aufgetreten wären - meist 4-6 Monate später. Das ist inzwischen bewiesen. Die Laborkontrolle von Tumormarkern führt nicht zu einer Verbesserung. Man kann sogar argumentieren, dass das Wissen um einen schlechtern Markerwert die Patientin um 4-6 Monate mit eigentlich noch guter Lebensqualität betrügt.
  • Dickdarmkrebs: Die Entdeckung von Metastasen in Leber oder Lunge würde uns ggf. veranlassen, über Operationen nachzudenken. Wir suchen daher gezielt.
  • Hodenkrebs: Die Nachsorgeprogramme sehen je nach Vorgehen in der Ersttherapie genaue Folgen von Computertomographien vor. Die rechtzeitige Erkennung eines Rückfalls kann die Heilung erheblich erleichtern.
  • Nur durch Nachsorge ist es möglich, Informationen über Langzeitergebnisse von Behandlungen zu gewinnen.

 

Insgesamt: Wir unterstützen Nachsorge und ermutigen dazu, aber wir wünschen uns, in aller Ruhe über die jeweiligen individuellen Zwecke zu reden. Nicht für jeden Patienten mit jeder Erkrankung kann und soll Nachsorge dasselbe leisten. Nicht für jeden Patienten ist sie auf dieselbe Art durchzuführen. Nicht in jedem Falle sind Laborwerte besonders nützlich. Häufig sind Tumormarker viel weniger hilfreich, als die Patienten denken. Nicht immer braucht es Kernspin oder CT.

letzte Änderung 21.08.11

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