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 Vor Chemotherapie zu kontrollieren: Leukozyten ("Leukos")  

Was Leukozyten sind:

Die Leukozyten sind die weißen Blutkörperchen, die in kleiner Anzahl neben großen Mengen roter Blutkörperchen und vielen Blutplättchen ("Thrombos" - Kurzwort für Thrombozyten) die Zellbestandteile des Blutes ausmachen. Im Jargon wird abgekürzt und meist von "Leukos" geredet.
Bleibt man genauer, merkt man rasch, dass dieser Begriff auch wieder nur eine Zusammenfassung darstellt: Es gibt eine ganze Reihe von Untergruppen weißer Blutkörperchen, die unterschiedliche Eigenschaften und Funktionen besitzen (Granulozyten, Monozyten, Lymphozyten).
Die Granulozyten sind diejenigen Zellen, die als Bakterienbekämpfer am wichtigsten sind. Für praktische Zwecke kann man davon ausgehen, dass der prozentuale Anteil der Granulozyten an der Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen einigermaßen konstant ist.

Daher ist der Rückschluss von der Gesamtzahl der Leukozyten erlaubt auf die Granulozyten als diejenigen Zellen, auf welche es am meisten ankommt.

Patienten, die Chemotherapie erhalten, müssen genug Granulozyten haben.

Die Leukozytenzahl wird gemessen, indem das sogenannte Blutbild bestimmt wird. Man schließt auf den Granulozytenanteil zurück, oder bestimmt in einer aufwändigeren Messung (teils "großes Blutbild", teils "Differentialblutbild" genannt) direkt ihre Menge.

Warum messen wir sie wann?

Die wichtigste Abwehrleistung gegen Bakterien wird durch Granulozyten gewährleistet. Besonders, wenn die Chemotherapie deren Zahl hinunterdrückt, steigt die Gefährdung, eine bakterielle Infektion zu erleiden. Wenn man weiß, dass die Zeit mit niedrigen Zahlen weißer Blutkörperchen lange anhalten wird, ist die Gefahr logischer Weise größer, als wenn man erwarten darf, dass in ein paar Tagen die Abwehrleistung weitgehend normal sein wird. Bei vielen Chemotherapien besteht eine Phase mit verminderten Zahlen weißer Blutkörperchen etwa in der Mitte zwischen den Gaben der Chemotherapie (Zyklusmitte).

Wenn aber zu dem Zeitpunkt, zu dem die Chemotherapie gegeben wird, die Zahl der Leukozyten in Ordnung ist (das bedeutet: sie darf nicht zu niedrig sein, ohne völlig normal hoch sein zu müssen), ist damit zu rechnen, dass die Therapie vertragen wird, ohne dass ein unzumutbar hohes Risiko einer Infektion wegen zu niedrig werdender Leukos eintreten wird.

Die Therapie lässt sich ausreichend sicher steuern, wenn man auf die Zahl der Leukos zu dem Zeitpunkt achtet, an dem die Therapie gegeben wird. Es kommt für die Entscheidung, ob eine Therapie laufen darf, nicht darauf an, genau wie niedrig die Zahl der weißen Blutkörperchen zwischen den Gaben wird - wenn die Zeit mit niedrigen Leukozahlen nicht zu lang ist, wird man keinerlei Rückschlüsse aus dem Tiefstwert ziehen, vorausgesetzt natürlich, es ist keine hochriskante Therapie (wie bei manchen Leukämien) und auch, dass Sie in vorangegangenen Zyklen nicht Komplikationen hatten.

Wenn Sie bei uns Chemotherapie erhalten..

.. müssen wir wissen, ob zur Gabe der Chemotherapie die Leukos stimmen!

Wenn es Ihnen zwischen den Therapien gut geht..

.. ist uns weitgehend egal, wie niedrig die Leukos dann sind - vorausgesetzt natürlich, es ist keine hochriskante Therapie und auch, dass Sie in vorangegangenen Zyklen nicht Komplikationen hatten.

Wenn es Ihnen zwischen den Therapien nicht gut geht..

.. speziell, wenn Sie Fieber haben, müssen wir das hören und nötigenfalls sofort (auch nachts oder am Wochenende - dann vielleicht auch als Notfall im Krankenhaus!) die Zahl der Leukozyten bestimmen

+      also brauchen wir uns meistens solange zwischen den Zyklen nicht zur Blutbildmessung zu treffen, wie es Ihnen gut geht! Wir müssen aber am Tag vor der Therapie wissen, ob die Zahl der Leukozyten ausreicht, damit wir die nächste Therapie planen und so zeitgerecht zubereiten lassen können, dass Sie hier nicht lange warten müssen.

+  Ausnahmen

Wenn es Hinweise dafür gibt, dass die Infektgefährdung überdurchschnittlich ist, manchmal auch, weil wir "auf Nummer sicher" gehen möchten, weichen wir davon ab. Wir kontrollieren dann zwischen den Chemotherapiegaben doch. Dieses Vorgehen ist übrigens auch in manchen Studien vorgegeben.

Letzte Änderung: 07.03.06

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