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Krebs verhindern - Vorsorge und Früherkennung
Ein allgemeiner Text unten fasst zusammen, welche Ansatzpunkte von der Europäischen Union gesehen werden [Europäischer Kodex zur Krebsbekämpfung]. Zuvor ein paar Detailüberlegungen, denn hier ist die Lage komplizierter, als die meisten denken. Man unterscheidet zwischen [Vorbeugung] als Verhinderung und [Früherkennung] als vorgezogener Diagnose. [Vorsorge] ist ein Begriff, der beides mischt.
Die eigentliche Vorbeugung beginnt meist dort, wo der Arzt keinen oder wenig Einfluss hat, nämlich bei Verhaltensweisen, Ernährungsgewohnheiten, Gifteinwirkungen, Infektionen, die man meiden oder behandeln sollte. Die Entartung von Gewebe soll gar nicht erst stattfinden. Dann, so die Hoffnung, würde Früherkennung weniger dringlich. Und selten genug gibt es eine so klare Ursache <-> Wirkungs-Beziehung zwischen schädlichem Einfluss und Ausbruch einer bösartigen Erkrankung wie bei beispielsweise
| Hier überall ist echte Vorbeugung durch Vermeidung / Behandlung ohne Frage möglich und sinnvoll | Benzol/Toluol | <-> | Leukämie |
| Asbest | <-> | Mesotheliom | |
| Rauchen | <-> | Lungenkrebs | |
| Papillomvirusinfektion (HPV) | <-> | Gebärmutterhalskrebs | |
| Dickdarmpolypen | <-> | Dickdarmkrebs |
Viel häufiger ist aber, dass man genau weiß, dass die Umstände nicht optimal sind. Wie schwer wiegend zur Krebsbegünstigung im Einzelfall aber Essgewohnheiten, ein vielleicht ungesunder Arbeitsplatz [den man ja realistischer Weise nicht mal eben so wechseln kann], oder ein Einsatz von chemischen Substanzen in Haus, Garten, Hobby beiträgt, kann man meist gar nicht genau sagen. Dementsprechend schwierig ist echte Vorbeugung an solchen Stellen.
Sicher günstig als echte und zugleich ungezielte und schwer messbare Vorbeugung gegen verschiedenste Erkrankungen, auch Krebs, sind:
| Gesunde Ernährung | Das meint nicht, dass jeder Mensch besondere Zusatzstoffe in der Apotheke kaufen müsste. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und "5 am Tag", also fünf Mal täglich Obst und oder Gemüse - das wäre gut. Wer schafft das? Es geht. Und: zumindest anstreben sollte man es! |
| Vermeiden von Übergewicht | Damit ist nicht gemeint, man solle so schlank werden, wie die Modejournale uns vorführen. Untergewicht schadet und schwächt. Übergewicht ist aber bei derart vielen Erkrankungen (Gelenke, Herz-Kreislauf, Diabetes..) ein Problem, dass sich auch völlig unabhängig von Gedanken der Krebsvorbeugung lohnt, starkes Übergewicht zu meiden! |
| Reichlich Bewegung | Nicht nur, dass man sich besser fühlt - es mehren sich die Hinweise, dass eine gewisse Sportlichkeit dabei hilft, Krebsbehandlungen besser durchzustehen, zu den Patienten mit eher besserer Prognose zu gehören, und wohl auch seltener an Krebs zu erkranken. |
Was als Vorsorge bezeichnet wird, ist meist der Versuch, durch eine Untersuchung ohne akuten Anlass ein Leiden (oder seine Vorstufe) in einem Stadium aufzuspüren, in dem die Heilungsaussichten viel besser sind, als in späteren Stadien. Eine solche Früherkennung verhindert dann also Krebs nicht, kann aber die Chancen steigern. Wir wollen frühe Erkennung dort, wo sie nützt.
Ein Problem, das gelegentlich auftaucht: Wenn frühe Erkennung nur dazu führt, dass man eher erkennt, dass ohnehin nicht mehr grundlegend geholfen werden kann, nützt sie vielleicht niemandem wirklich. Wenn Früherkennung dazu führt, dass Krebsvorstufen gefunden werden, die sich möglicherweise nie soweit entwickeln, dass der Krebs eine Rolle spielt, muss man auch fragen, ob ein großer Aufwand getrieben werden soll, sie zu entdecken. Solche Überlegungen können im Einzelfall bei der Erkennung von Prostatakrebs eine Rolle spielen.
Wenn man von der Krankenversicherung fordert, dass ein Programm bezahlt werden soll, welches der Früherkennung dient, dann muss vorher bewiesen werden, dass durch ein solches Programm auch tatsächlich Verbesserungen erreicht werden, die die Kosten rechtfertigen. Hier sind Lücken in unseren Kenntnissen begründet, was Früherkennungsmaßnahmen bei älteren und betagten Menschen angeht: Dies wurde nie in einem wesentlichen Maße geprüft, fast alle Datenerhebungen "enden" mit etwa dem 75. Lebensjahr.
Besonders sinnvoll ist hingegen Vorsorge als Früherkennung von Krebsvorstufen, wenn diese einerseits behandelt werden können, andererseits sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit entarten. Hier wird Krebs wirklich verhindert. Dies gilt besonders bei Gebärmutterhalskrebs und bei Dickdarmkrebs.
Vorsorge bedeutet also Diagnostik an Gesunden ohne Symptome, aus Vorsicht. Wir befürworten
| PSA | mit gewissen Einschränkungen die PSA-Bestimmung zur frühen Erkennung des Prostatakrebses. "Mal eben Blut abnehmen" ist der kleinste Teil daran. In einem Beratungsgespräch muss über die Interpretation des Messwertes und die Konsequenzen gesprochen werden. Die Kasse bezahlt dies nicht. Es ist eine IGEL-Leistung ("individuelle Gesundheitsleistung"), die privat zu tragen ist. Sprechen Sie uns gerne darauf an. |
| Koloskopie | die Vorsorgekoloskopie, also die Dickdarmspiegelung, die darauf ausgelegt ist, Krebsvorstufen (entartungsgefährdete Polypen) zu erkennen und zu entfernen; seltener ist damit zu rechnen, dass man bereits entartete Polypen findet, wo aber der Krebs noch nicht gestreut hat. Sprechen Sie uns darauf an, wir erklären und nennen Ihnen Ansprechpartner, die die Untersuchung durchführen. Diese Untersuchung wird in der Regel ab dem 55. Lebensjahr von der Krankenkasse getragen. |
| Blut im Stuhl | den Stuhltest auf occultes (nicht mit dem bloßen Auge erkennbares) Blut, der schlechter in der Aussagekraft, aber immer noch besser als keine Früherkennung ist. |
| Frauengesundheit | die üblichen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen
zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs und zur Identifikation von
entartungsgefährdeten Krebsvorstufen. Frauen sollten die Möglichkeiten
nutzen, die ihnen ihre Frauenärztinnen und -ärzte bieten. Besondere
Verfahren der Virusdiagnostik (HPV-Diagnostik zur Identifikation hoher
Risiken) sind dabei im persönlichen Gespräch zu erörtern. Der Gebärmutterhalskrebs wird mit Viruserkrankungen in Verbindung gebracht. Bei 99,7% der Patientinnen mit einem solchen Krebs findet man Erbmaterial von sog. Papillomviren. Daraus wird geschlossen, dass ein wirksamer Schutz gegen diese Viren helfen kann, die Krebserkrankungsrate zu senken. Dies ist inzwischen gelungen. Eine Impfung gegen die häufigsten Papillomviren ist möglich und hat zur Folge, dass weniger Krebse entstehen. Hier funktioniert eine echte "Impfung gegen Krebs"! Wir raten dringend dazu, diese Chance zu nutzen. Details (z.B: Impfung vor / in der Pubertät, nicht mehr nützlich nach Kontakt mit dem Virus) sollten am besten mit Kinder- oder Frauenärzten besprochen werden. Strittig: Soll man auch Jungen impfen? Immerhin sind sie Überträger der Papillomviren. Bisher gibt es dazu keine Empfehlung. Brustkrebs-Screening: Inzwischen gibt es ein Programm, in dem in Hamburg Stadtteil-weise alle Frauen schriftlich eingeladen werden, mittels Mammographie ihre Brüste untersuchen zu lassen. Wir vermuten, dass hierdurch Krebserkrankungen erkannt werden können, bevor sie spürbar werden, so dass durch Behandlung in früheren Stadien die Heilungsraten steigen. Mitmachen! Mehr dazu erfahren Sie auf der offiziellen Website [hier] |
| Hautkrebsscreening | Die Chance, dem bösartigen schwarzen Hautkrebs (Melanom) dadurch zu entgehen, dass ein Spezialist bzw. ein geschulter Arzt sich rechtzeitig die Haut und eventuelle "Muttermale" (von denen die allermeisten ja harmlos sind) ansieht, ist viel zu hoch, um sie verpassen zu wollen. Das Screening zu Lasten der Krankenkasse sollte unbedingt wahrgenommen werden! |
| Sonderfälle | Es gibt Konstellationen, in denen sich Gesunde
fragen, ob sie nicht "aus einer Krebsfamilie" stammen. Oder in denen
Erkrankte fürchten, dass sie ein stark erhöhtes Risiko, auch zu
erkranken, an ihre (noch?) gesunden Kinder vererbt haben könnten. Hierzu
gibt es keine einfachen Regeln. Vielfach aber kann man durch vernünftige
Diagnostik Angst nehmen oder wenn man tatsächlich Risiken identifiziert,
ein individuell sinnvolles Vorsorgeprogramm gestalten. Sprechen Sie mit
uns. So gibt es sehr gute Argumente für intensivierte Vorsorge, wenn Erkrankungen vorliegen an bestimmten Brustkrebs-Arten (BRCA-Gene) oder an erblichen Dickdarmkrebsen (HNPCC, Polyposis) teils kombiniert mit erheblich erhöhter Wahrscheinlichkeit, andere Krebse zu entwickeln (Lynch-Syndrom). Hierzu gibt es spezielle Sprechstunden, in die wir gerne vermitteln. Auf jeden Fall lohnt es sich, genau über solche Situationen nachzudenken, weil im Falle von Erbleiden immer die Erkenntnis bei einem Betroffenen Konsequenzen in der Verwandtschaft haben könnte. |
[hier] angehängt wurde eine Übersichtstabelle, die das Bundesgesundheitsministerium ins Internet gestellt hat (sehr genaue Liste, orientiert an der Frage, was Kassenleistungen sind, die auch Zahnvorsorge und Baby-Vorsorgeuntersuchungen betrifft)
Bestimmte Krebskrankheiten können vermieden werden, und der
allgemeine Gesundheitszustand lässt sich verbessern, wenn Sie
gesundheitsbewusster leben.
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Quelle: Vertretung der EU Kommission in der Bundesrepublik Deutschland (www.eu-kommission.de)
letzte Änderung: 19.08.2010