HÄMATOLOGISCH ONKOLOGISCHER SCHWERPUNKT
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Erbrechen und Übelkeit durch Chemotherapie

Allgemein zu beachten:

Erbrechen nach Chemotherapie ist nicht selten, wenn keine vorbeugenden Maßnahmen ergriffen werden. Ganz überwiegend kann es verhindert oder mindestens erheblich abgemildert werden. Dabei kommt es sowohl auf die individuelle Bereitschaft des Patienten an, Übelkeit zu entwickeln, als auch vor allen Dingen auf die Medikamente oder ihre Kombinationen. So gibt es eine Vielzahl von Medikamenten, bei deren Anwendung Erbrechen sehr wenig wahrscheinlich ist.

Wenn Sie bei uns eine Chemotherapie erhalten haben und es kommt danach zum Erbrechen, bedeutet dies auf jeden Fall, dass wir bei einem nächsten Zyklus der Chemotherapie die Vorbeugung verbessern wollen. Daher: sprechen Sie mit uns vor der nächsten Chemotherapie darüber!

Am Tag der Chemotherapie erhalten die Patienten in den meisten Fällen von uns ein vorbeugendes Medikament in die Vene als Spritze oder Kurzinfusion. Damit ist meist die unmittelbare Zeit um die Therapie herum "abgedeckt". Manche Zellgifte wirken aber noch nach und können am Folgetag, teils noch nach Ablauf von 2 Tagen weiter Übelkeit und Erbrechen verursachen.

Dies kann man meist durch Vorbeugung verhindern. Mit welchen Medikamenten das im Einzelfall wahrscheinlich am besten zu erreichen ist (auch ohne mit Kanonen auf Spatzen zu schießen), legen wir individuell fest und wir geben unseren Patienten einen Plan und Rezepte vorbeugend mit.

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Tipp: Ingwer - Hilfe aus der Natur

Ingwertee selbst bereiten  

 

 

Als segensreich hat sich Ingwer erwiesen. Wer nicht gleich zu als hart empfundenen Medikamenten greifen will, findet häufig Hilfe durch einen leicht selbst zubereiteten Tee:

Man braucht dazu frische Ingwerwurzel. Weil die Mengen klein sind, ist das nicht zu teuer und inzwischen ist diese Frucht fast ganzjährig in vielen Geschäften erhältlich. Die Zubereitung ist simpel:

Ein daumengroßes Stück Ingwer [Grob geschätzt: die Menge, die auf dem Foto geschält ist] wird vorsichtig geschält und in feine Scheiben geschnitten, damit die Oberfläche möglichst groß ist (es sollte dabei nicht zu viel Saft verloren gehen: nehmen Sie ein wirklich scharfes Messer). Diese werden mit rund einem Liter kochendem Wasser aufgegossen. Man lässt 10 Minuten lang ziehen (länger ist erlaubt, kann dann mehr Schärfe entwickeln). Nach Geschmack (Schleimhäute!) kann man vorsichtig mit etwas Zitrone und Honig würzen, wenn die Flüssigkeit etwas abgekühlt ist. Experimentieren Sie mit den Mengenverhältnissen!

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Folgende Tabelle erläutert die wichtigsten Medikamente

Hier werden Medikamenteneigenschaften erläutert, die Ihnen vielleicht helfen, ein wenig besser "einzusortieren", warum man Ihnen eine bestimmte Kombination von Medikamenten zur Vorbeugung (oder auch Behandlung von Erbrechen, wenn nämlich die Vorbeugung nicht ausgereicht hat) bei Chemotherapie empfiehlt.
Zu den Eigenschaften der Medikamente gehören auch ihre jeweiligen Kosten. Ein paar Vergleichszahlen finden Sie beim jeweiligen Medikament. Basis sind die in der Praxissoftware zum Erstellungszeitpunkt dieses Textteils eingespeisten Daten des 4. Quartals 2008, aktuell (09/10) noch nicht überprüft. Die Verhältnisse sind aber ähnlich.

Politische Anmerkung: Weil die Krankenkassen geheime Rabattverträge mit Pharmaherstellern machen, sind die genannten Preise zwar die einzige Information, die uns Ärzten zur Verfügung steht, aber es mag sein, dass sie nicht die Preise sind, die die Kasse zahlen muss. Dass trotzdem die Ärzte verpflichtet sind, eine wirtschaftliche Verordnungsweise vorzunehmen, obwohl man ihnen die Instrumente dafür vorenthält, gehört zu den Geheimnissen Deutscher Gesundheitspolitik

Medikament Allgemeine Hinweise
Vomex A =
Dimenhydrinat
Apotheken-, aber nicht rezeptpflichtig. Als Dragees, aber auch als Zäpfchen erhältlich. Gut gegen leichtere Übelkeit, häufig daher gut an Tagen nach der Chemotherapie, selten eingesetzt am Tage der Chemotherapie. Gut 8€ muss man für 10 Zäpfchen zahlen.
Dexamethason = Fortecortin Kortisonpräparat mit hervorragender Wirksamkeit gegen Erbrechen. Standardmedikament. Gesichert: 20mg als Einzeldosis. Aufteilen möglich, aber nicht sicher besser. 8mg wirkt möglicherweise nicht wesentlich schlechter. Typischerweise kann es Blutzuckererhöhungen machen und einen "roten Kopf"; manche Patienten fühlen sich etwas "aufgedreht". Vorsicht: Anwendung über längere Zeiträume (mehr als 4 Tage) nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
Granisetron=
z.B. Kevatril
eines aus der Medikamentengruppe der sogenannten "Setrone" oder "5-HT3-Antagonisten". 1mg in die Vene oder 2mg als Tablette. Wirkt rund 24 Stunden. Höhere Dosierungen sind nicht besser ("mehr als wirken kann es nicht"). Kann Kopfschmerzen und/oder Verstopfung (auch einige Tage lang) machen. Gern am Tag der Chemotherapie gegeben, gern mit Dexamethason kombiniert. Als Vorbeugung gegen verzögertes Erbrechen nicht sicher besser als Metoclopramid (s.u.), aber manchmal am Tag nach der Chemotherapie nützlich, gelegentlich auch noch an Tag 3 (dem 2. Tag nach der Therapie). Gegenüber Ondansetron (Zofran) insofern medizinisch pfiffiger, als der chemische Abbau im Körper sich weniger als beim Zofran mit dem anderer Medikamente stört.
Metoclopramid = MCP = Gastronerton o.ä. gut erforschtes, langjährig bekanntes, preiswertes (und daher nicht beworbenes) Standardpräparat. Meist als Tropfen (20 - 40 je Portion) angewandt, aber auch als Zäpfchen oder als Tabletten erhältlich. Üblicherweise 3 mal tgl. einzunehmen. Selten Unverträglichkeit in Form von Bewegungsstörungen, die letztlich harmlos und vorübergehend sind. Wer niedrige Dosierungen verträgt, hat eigentlich nie zusätzliche Nebenwirkungen, wenn die Dosis gesteigert wird. Man weiß aus Anwendungen in sehr hohen Dosierungen aus Zeiten vor Erfindung des Kevatril und ähnlicher Wirkstoffe, dass die Dosis ohne Schwierigkeiten verdoppelt werden kann.
100 Tabletten davon kosten knapp 17€ (11/08). Wer hat ein Interesse, für ein so preiswertes Medikament Werbung zu machen?

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Aloxi = Palonosetron ein weiteres Medikament aus der Gruppe der sogenannten "Setrone". Am Tag der Chemotherapie in der Regel den anderen Setronen nicht überlegen, aber es bleibt länger im Körper und ist damit auch am Folgetag noch wirksam. Dafür erheblich teurer: mit 100€/Portion 11/08 gelistet gegenüber Kevatril 3ml (man braucht einen ml pro 24 Stunden) für 40€ entsprechend 13€/Portion. Wir hätten in vielen Fällen Schwierigkeiten, zu begründen, warum Aloxi wirtschaftlich sein soll. Wenn wir allerdings wissen, dass wir über mehrere Tage Granisetron geben müssen, kann es ein sehr sinnvolles Medikament sein.
Ondansetron =
Zofran
Sehr ähnlich wie Kevatril/Granisetron (selbe Medikamenten"klasse" der Setrone); kürzer wirksam, muss höher dosiert werden. In gleich wirksamer Dosis teurer als Kevatril, so dass wir in der Regel keinen höheren Nutzen erkennen können.
(11/08 Listenpreis 127€/10Tbl a 8mg, Tagesdosis 32mg, Tagesbedarf rund 51€ für Zofran; demgegenüber: Granisetron 1Tbl 28€)
Besonderheit allerdings: Nur hier wird eine sich auf der Zunge bzw. auf der Wangenschleimhaut auflösende Tablette angeboten (als "Zofran Zydis" oder "Cellondan lingual Schmelztabletten"), die für manche Patienten günstiger ist, weil sie nicht geschluckt werden muss.
Emend = Aprepitant erst 2004 zugelassenes Medikament, welches kombiniert mit z.B. Kevatril und Dexamethason (s.o.) zusammen bei ganz bestimmten Chemotherapien (besonders Therapien mit der Substanz Cisplatin, aber inzwischen auch für andere starke Übelkeit hervorrufende Chemotherapien zulässig) eingesetzt werden kann. Die Wirkung von Kevatril / Dexamethason wird dabei verstärkt. Eine Packung mit 3 Kapseln ist 11/08 mit knapp 90€ gelistet.
Meist Einnahme als Tablette in am ersten Tag höherer Wirkstärke an drei aufeinander folgenden Tagen, morgens zu Haus vor der Chemotherapie.
Tavor eines aus der Gruppe der Medikamente, die mit Valium verwandt sind (Benzodiazepin). Eigentlich wird es als Angst lösendes Medikament eingesetzt. Man hat aber gemerkt, dass es wertvolle beruhigende Wirkungen hat, die auch die Wahrscheinlichkeit zu senken helfen, dass es zu Übelkeit kommt. Wird manchmal kombiniert eingesetzt.
Haloperidol ebenfalls Medikament aus dem Bereich der Angst beeinflussenden Medikamente, ursprünglich Psychopharmakon aus der Behandlung von Schizophrenien - hat aber günstige Wirkungen auch in ganz anderen Bereichen. Genutzt wird seine Eigenschaft, auch die Steuerung der Nerven zu beeinflussen, die beim Erbrechen aktiviert sind. Zählt zu den sogenannten Ko-Antiemetika, den Medikamenten, die man als Kombinationspartner hinzunehmen kann. Einnahme tropfenweise.

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Chemo gehabt - nach Praxisschluss die Übelkeit?

Gehen Sie nun bitte so vor, wie wir mit Ihnen besprochen haben bzw. wie es für Sie auf unserem Laufzettel notiert ist. Wenn Unklarheiten bestehen, rufen Sie die Ihnen bekannte Notfallnummer an.

Grundsätzlich gilt:

Letzte Änderung: 13.09.2010

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