
Wir benötigen Kontaktdaten. Wie können wir Sie für Nachfragen erreichen? Wir müssen auch wissen, wer weitere Informationen hat, bei wem wir Befundberichte und Laborergebnisse anfordern können. Manchmal klärt auch ein direktes Telefonat mit dem Sie überweisenden Arzt die Dringlichkeit rasch.
Wir müssen verstehen, worum es gehen soll: was ist der genaue Behandlungsanlass? Auskünfte wie "Da soll was nicht in Ordnung sein" (Oh, ja! - Originalzitat) helfen nicht. Wir meinen durchaus, dass es auch in den Verantwortungsbereich der Patienten gehört, sich mit um den Informationsfluss zu kümmern.
Nicht selten führen Veränderungen von Laborwerten zur Überweisung zwecks Abklärung. Die Erfahrung lehrt, dass eine Vielzahl solcher Abklärungen nicht zur Diagnose von Erkrankungen führt. In solchen Fällen kann sich logischerweise auch keine Erkrankung verschlimmern. Eine kleine Zahl von Laborwertveränderungen erfordert allerdings sehr rasches Handeln. Die Kunst besteht natürlich darin, vor der Diagnostik zu entscheiden, wie wahrscheinlich etwas Gravierendes hinter einem Abklärungsauftrag steckt, und wie wahrscheinlich die Sache ohne Befund bleiben wird. Daher müssen wir die zur Überweisung führenden Laborveränderungen sehen.
In der Praxis kann das auch bedeuten, dass unsere Mitarbeiterinnen eine Anfrage erst zur Entscheidung über die Dringlichkeit vorliegen, wenn versprochene Laborwerte oder Berichte über Gewebsproben oder Auswertungen von Röntgenuntersuchungen auch tatsächlich vorbeigebracht oder gefaxt wurden.
Wir fragen ebenfalls ab, ob ärztliche Aussagen zur Dringlichkeit existieren. Typischerweise gibt es ganz klare Terminerfordernisse, wenn wir eine in der Klinik begonnene Chemotherapie fortsetzen sollen. Das muss ohne Unterbrechung zeitgerecht gemacht werden. Ebenso gibt es Vorgaben, wie viel Zeit zwischen einer Krebsoperation und einer ergänzenden Chemotherapie mindestens und höchstens vergehen soll.
Generell gilt: Wenn wir von Gesichtspunkten erfahren, die uns denken lassen, dass eine Beurteilung drängt, "quetschen" wir Sie auch notfallmäßig zwischen die längst vorbestellten Patienten.
Jetzt noch ein Wort zur Ethik und zur Frage, wie unsere Patienten versichert sind:
Ob Sie privat versichert sind, wollen wir zu diesem Zeitpunkt gar nicht wissen. Die Versicherung hat nichts damit zu tun, ob Ihre Erkrankung gefährlich sein könnte. Sie kann auch nichts damit zu tun haben, ob Wartezeiten vor Diagnostik oder Behandlung wahrscheinlich Schäden vergrößern, oder ob sie - wie meistens - wahrscheinlich am Behandlungsergebnis nichts ändern. Hieran macht sich eine Haltung fest, die uns schwer werden lässt, Patienten einzelner Kassen anderen gegenüber vorzuziehen.
Man kann auch vereinfachen: Wer am meisten zu verlieren hat, muss im Prinzip zuerst drankommen. Kassen, die ihren Versicherten Premiumtermine versprechen, müssen sich fragen lassen, ob da eigentlich scharf genug über anständiges Verhalten nachgedacht wurde. Wir möchten einer Haltung nicht Vorschub leisten, durch Vordrängeln in Kauf zu nehmen, dass schlechter Versicherte zu Schaden kommen.
Letzte Änderung: 01.01.12